Borreliose: Wann sind Antibiotika indiziert? Was macht man beim Post-Lyme-Syndrom ?

von | 10. Februar 2013 | Publikationen

Bei einer eindeutigen Symptomatik werden Antibiotika auch ohne Laborkontrolle gegeben. Bei fraglichen Symptomen und einem positiven Borrelientiter und noch keiner vorangegangenen Antibiotikatherapie, ist diese ebenfalls gerechtfertigt. Tritt ein neuer Stich mit neuen Beschwerden auf, ist ebenfalls eine Antibiose angesagt. Bei einer Wanderröte wird immer sofort antibiotisch therapiert. Das unbehandelte Erythema migrans, die Wanderröte, führt in 20 % der Fälle zu einer chronischen Borreliose, meistens als chronische Arthritis, die Lyme-Arthritis. Seltener treten auch Polyneuropathien, Acrodermatitis atrophicans oder eine Neuroborreliose auf. Hier ist auch bei dieser späten Diagnose die antibiotische Therapie notwendig, bei der Neuroborreliose zwingend intravenös.Das Post-Lyme-Syndrom ist ein Symptomenkomplex der Gelenke, für den man ein Autoimmungeschehen verantwortlich macht. Dieses ist nicht antibiotisch, sondern immunmodulatorisch anzugehen.
Über die verschiedenen Zusammenhänge der Borreliose habe ich schon in der Vergangenheit geschrieben. Nun möchte ich mich der Immunmodulation der postantibiotischen Phase widmen. Bei diesem Post-Lyme-Syndrom treten Beschwerden in den Gelenken oder auch in anderen Geweben auf, in den die Borrelien ihr Unwesen getrieben haben. Der vermutete Autoimmunprozess erklärt sich dadurch, dass die Borrelien sich intrazellulär vermehren und dass bei der Immunabwehr auch körpereigene Zellen zerstört wurden. Bei der Zellbeseitigung wurde dann nicht genau zwischen fremd und eigen unterschieden und so entstanden Antikörper gegen dieses körpereigene Gewebe. Wer schon einmal einen Borrelien-Antikörpertest hat machen lassen, weiss, dass es auch fragliche Befunde gibt. Diese sind fraglich, weil es Kreuzreaktionen des Testkit zu anderen Keimen gibt, z.B. zu flagellentragenden Bakterien oder auch zu Herpes simplex und Epstein-Barr-Virus-Infektionen. Wenn also hier eine Kreuzreaktivität besteht, dann werden die Autoimmunprozesse auch getriggert, wenn der Körper Kontakt zu diesen Erregern hat. Hier setzt dann die Immunmodulation an, zu der ich heute nur bezüglich der Gelenke eingehen möchte.
Wenn die Beschwerden im Gelenk sind, dann kann man dieses Gelenk punktieren und etwas Gelenkflüssigkeit abziehen. Daraus kann man versuchen mit einer PCR-Untersuchung Borrelien nachzuweisen. Ist der Wert positiv, wird wieder antibiotisch behandelt. Ist der Wert negativ, muss von einem Autoimmunprozess ausgegangen werden. Hier bietet sich der entzündungshemmende Ansatz der körpereigenen Proteinen an, die Sanakin-Therapie. Dabei wird das Blut des Patienten in einem Spezialröhrchen verschwenkt und drei Stunden bebrütet. Danach wird das Serum vom Blutkuchen abzentrifugiert und dieser Überstand enthält dann drei- bis sechsmal soviel antientzündliche Botenstoffe wie vorher. Diese Lösung wird dann unter sterilen Bedingungen durch einen Bakterienfilter in das betroffene Gelenk gespritzt und reguliert dort die Entzündung herunter. Man kann die Wirkung noch durch eine niederenergetische Laserbehandlung verstärken. Diese Therapie umfasst 5 Sitzungen.

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