Mikrostromtherapie
Mikrostromtherapie mit kontinuierlicher Leitwertkontrolle
Bei der Mikrostromtherapie mit kontinuierlicher Leitwertkontrolle lassen sich durch die Analyse des Hautwiderstandes Rückschlüsse auf den lokalen Gewebestoffwechsel und dessen Zustand (z. B. eher entzündliche oder eher degenerative Prozesse, etwa im Bereich von Narben) ableiten. Dieses impedanzgesteuerte Vorgehen wurde in klinischen Studien bereits bei strahlungsbedingten Fibrosen sowie bei temporomandibulären Beschwerden untersucht (Lennox et al., 2002; Marino, 2006).
Im Anschluss an die initiale Messung des Gewebezustandes wird die entsprechende Mikrostromtherapie durchgeführt – das Gerät entwickelt dabei automatisch für jeden Patienten ein individuelles Therapiekonzept nach dem Prinzip: Messen – Handeln – Messen – Handeln. Ziel ist eine Stoffwechselaktivierung und Regeneration bei degenerativen Prozessen und eine dämpfende Wirkung auf den Zellstoffwechsel bei entzündlichen Prozessen, um die Regeneration des Gewebes zu unterstützen. In der Anwendung kommen ergänzend LED-Lichtquellen zum Einsatz, die auf die Mikrostromkanäle abgestimmt sind. Auf die spezifische Wirkweise dieser Kombination wird unten näher eingegangen.
Anwendungsgebiete
Nach diesem Konzept wird das Gerät vor allem bei folgenden Beschwerdebildern eingesetzt:
- Sportverletzungen und Überlastungssyndrome (z. B. Epicondylitis; Aliyev, 2012)
- Verspannungen und myofasziale Beschwerden (Iodice et al., 2016; Han et al., 2018)
- Arthrose und arthritische Beschwerden (Ranker et al., 2020; Lee, M. et al., 2024)
- Lokale Entzündungen (Konstantinou et al., 2020; Lee, H. et al., 2022)
Zum Hintergrund: entzündliche und degenerative Zustände
Eine Entzündung stellt auf zellulärer Ebene einen hypermetabolen Zustand dar – also einen beschleunigt ablaufenden Stoffwechselprozess. Ein solcher Zustand ist in der Diagnostik durch einen vergleichsweise niedrigen Leitwert erkennbar, da das Gewebe im Entzündungsgeschehen ionenärmeres Wasser einlagert und damit die elektrische Leitfähigkeit senkt. In diesem Fall arbeitet das Gerät so, dass der beschleunigte Stoffwechsel gedämpft und dem Gewebe damit die Möglichkeit zur Regeneration gegeben wird.
Im Falle einer Degeneration lässt sich ein hypometaboler Zustand feststellen, der mit einem höheren Leitwert einhergeht. Gegenläufig zur Entzündungssituation wird hier Energie zugeführt, um den Zellstoffwechsel anzuregen und regenerative Prozesse zu unterstützen. Übersichtsarbeiten und Grundlagenstudien beschreiben in diesem Zusammenhang eine Beeinflussung zellulärer Signalwege (u. a. MAPK-Signalweg, TGF-β1-Freisetzung) sowie eine mögliche Steigerung des ATP-Gehalts im Gewebe (Cheng et al., 1982; Konstantinou et al., 2020; Kolimechkov et al., 2022). Ergänzend kann bei entsprechender Indikation eine begleitende Physiotherapie sinnvoll sein, um das Gewebe zusätzlich zu stimulieren.
Behandlungsverlauf
Die Effektivität der Therapie zeigt sich im Aufrechterhalten des korrigierten Zustandes. In der Regel sind etwa drei Sitzungen pro Woche und insgesamt etwa zehn Anwendungen sinnvoll. Die konkrete Behandlungsdauer wird individuell im Rahmen der Behandlungsplanung besprochen.
LED-Lichtapplikation – wissenschaftlicher Hintergrund
Das Gerät verfügt zusätzlich über die Möglichkeit, zwei Lichtquellen am zu behandelnden Gewebe einzusetzen. Für die Wirkung dieser LED-Lichtanwendung im zellbiologischen Kontext liegen Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP), Dresden, vor. In einem ersten Abschlussbericht wurde eine tendenzielle Erhöhung der Stoffwechselaktivität in humanen Fibroblasten unter Anwendung der LED-Nanophotonentechnologie® nachgewiesen (Wetzel & Schönfelder, 2010). Diese Untersuchungen wurden in einer nachfolgenden Masterarbeit vertieft, in der humane Fibroblasten (AG01522D) und humane Keratinocyten (HaCaT) getrennt untersucht wurden (Karutz, 2012). Dabei zeigte sich:
- Rotes LED-Licht führte insbesondere bei humanen Fibroblasten zu einer tendenziellen Erhöhung des intrazellulären ATP-Gehalts und einer Tendenz zur zellulären Erholung nach vorheriger Zellschädigung.
- Blaues LED-Licht steigerte bei beiden Zelllinien überwiegend die metabolische Aktivität und die ATP-Produktion, bei den Keratinocyten zusätzlich die Zellteilung.
Diese Ergebnisse wurden im weiterführenden Abschlussbericht bestätigt (Wetzel & Karutz, 2013). Eine signifikante Beeinträchtigung der Zellvitalität, -morphologie oder des Zellwachstums wurde in keiner der Fraunhofer-Untersuchungen beobachtet. Auf klinischer Ebene liegen darüber hinaus Hinweise auf eine unterstützende Wirkung einer kombinierten LED- und Mikrostromanwendung auf Muskeltonus und Regeneration vor (Han et al., 2018).
Ergänzende Verfahren
Bei entzündlichen Ursachen kann in unserer Praxis zusätzlich die ACRS-Eigenbluttherapie sinnvoll sein. Auch die intravenöse Sauerstofftherapie wird bei entsprechender Indikation als ergänzende Maßnahme angeboten. Bei degenerativen Ursachen ist es zudem wichtig, die individuellen Auslöser für die Vernarbung oder den Gewebeabbau abzuklären. Bei Polyneuropathien können unter anderem Mikrozirkulationsstörungen und ein Nährstoffmangel eine Rolle spielen; hier erfolgt die weitere Diagnostik und die Beratung zu einer eventuell sinnvollen Substitution stets individuell und ärztlich abgestimmt.
Literaturverzeichnis (APA)
Aliyev, R. M. (2012). Cell-stimulation therapy of lateral epicondylitis with frequency-modulated low-intensity electric current. Bulletin of Experimental Biology and Medicine, 152(5), 653–655. https://doi.org/10.1007/s10517-012-1599-6
Cheng, N., Van Hoof, H., Bockx, E., Hoogmartens, M. J., Mulier, J. C., Dijcker, F. J., Sansen, W. M., & Loecker, W. (1982). The effects of electric currents on ATP generation, protein synthesis, and membrane transport in rat skin. Clinical Orthopaedics and Related Research, 171, 264–272. https://doi.org/10.1097/00003086-198211000-00045
Han, S.-W., Kim, Y.-Y., & Kim, K. (2018). Effects of integrated treatment with LED and microcurrent on muscle tone and stiffness in the calf muscle during moderate aerobic exercise. Journal of Physical Therapy Science, 30(6), 816–819. https://doi.org/10.1589/jpts.30.816
Iodice, P., Ripari, P., Pezzulo, G., & Fabbri, D. (2016). Efficacy of pulsed low-intensity electric neuromuscular stimulation in reducing pain and disability in patients with myofascial syndrome. Journal of Biological Regulators and Homeostatic Agents, 30(2), 615–620.
Karutz, A. (2012). Ermittlung des Einflusses der Nanophotonentechnologie® auf in vitro-Zellkulturen [Masterarbeit]. Internationales Hochschulinstitut Zittau / Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP), Bereich Medizinische Applikationen.
Kolimechkov, S., Seijo, M., Swaine, I., Thirkell, J., Colado, J. C., & Naclerio, F. (2022). Physiological effects of microcurrent and its application for maximising acute responses and chronic adaptations to exercise. European Journal of Applied Physiology, 122(8), 1751–1768. https://doi.org/10.1007/s00421-022-05097-w
Konstantinou, E., Zagoriti, Z., Pyriochou, A., & Poulas, K. (2020). Microcurrent stimulation triggers MAPK signaling and TGF-β1 release in fibroblast and osteoblast-like cell lines. Cells, 9(9), Article 1924. https://doi.org/10.3390/cells9091924
Lee, H., Lee, J., Kim, Y., Choi, H., & Kim, D. (2022). Micro-current stimulation suppresses inflammatory responses in peptidoglycan-treated RAW 264.7 macrophages and Propionibacterium acnes-induced skin inflammation via TLR2/NF-κB signaling pathway. International Journal of Molecular Sciences, 23(5), Article 2508. https://doi.org/10.3390/ijms23052508
Lee, M., Kim, S., Kim, H., & Lee, D. (2024). Micro-current stimulation could inhibit IL-1β-induced inflammatory responses in chondrocytes and protect knee bone cartilage from osteoarthritis. Biomedical Engineering Letters, 14(4), 801–812. https://doi.org/10.1007/s13534-024-00376-1
Lennox, A. J., Shafer, J. P., Hatcher, M., Beil, J., & Funder, S. J. (2002). Pilot study of impedance-controlled microcurrent therapy for managing radiation-induced fibrosis in head-and-neck cancer patients. International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics, 54(1), 23–34. https://doi.org/10.1016/s0360-3016(02)02898-5
Marino, A. (2006). Pain relief utilizing impedance controlled microcurrent therapy. In Z. Davidovitch, J. Mah, & S. Suthanarak (Eds.), Biological Mechanisms of Tooth Eruption, Resorption and Movement (pp. 379–384). Harvard Society for the Advancement of Orthodontics.
Ranker, A., Husemeyer, O., Cabeza-Boeddinghaus, N., Mayer-Wagner, S., Crispin, A., & Weigl, M. B. (2020). Microcurrent therapy in the treatment of knee osteoarthritis: Could it be more than a placebo effect? A randomized controlled trial. European Journal of Physical and Rehabilitation Medicine, 56(4), 459–468. https://doi.org/10.23736/S1973-9087.20.05921-3
Wetzel, C., & Karutz, A. (2013, 6. März). Ermittlung des Einflusses der Nanophotonentechnologie® auf in vitro-Zellkulturen [Abschlussbericht für Luxxamed GmbH]. Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP), Bereich Medizinische Applikationen, Dresden.
Wetzel, C., & Schönfelder, J. (2010, 22. April). Ermittlung des Einflusses der Nanophotonentechnologie® auf in vitro Zellkulturen [Abschlussbericht Studie für Walitschek Medizintechnik GmbH]. Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP), Bereich Medizinische Applikationen, Dresden.