Gesundheitsnewsletter – Schlaftest, Phosphopipide/Lecithine, Prävention, Omega-3 und 6-Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und zum Ende wird es philosopisch

von | 28. Juni 2026

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Dr. Wiechert Gesundheitsnewsletter vom 28.07.2026

 
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Praxis für individuelle Diagnostik und Therapie

In meiner Info-Videothek können Sie sich zu verschiedenen

Themen informieren, stöbern Sie ruhig weiter, denn

Sie wissen ja, dass die Quellen meines Wissens stets

benannt werden!

 
Die Themen:

 
 
Speicheltest zeigt Schlafmangel an, neues Testkit für die Fahrzeugkontrolle?

Studie: pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jproteome.5c01064

Der ACS-Artikel beschreibt einen metabolomischen Speichel-/Oral-fluid-Fingerprint nach akutem Schlafentzug. In der Studie wurden Speichelproben mittels LC-HRMS analysiert; bei einer Nacht ohne Schlaf zeigten sich verwertbare Stoffwechselveränderungen, während vier Nächte mit Schlafrestriktion auf 6 Stunden keine ausreichend verwertbaren metabolischen Veränderungen ergaben. Das Modell konnte akuten Schlafentzug mit 12 molekularen Features präzise klassifizieren; die Universität Zürich spricht in ihrer Mitteilung von 10 Biomarkern im Speichel.

Wichtig: Die öffentlich zugänglichen Abstract-/Pressetexte nennen die 10 patentierten Einzelmarker nicht namentlich. Sie beschreiben sie als Speichel-Biomarker bzw. molekulare Features, aber ohne vollständige Substanzliste. Deshalb kann ich aus den frei zugänglichen Quellen nicht seriös behaupten, dass exakt Marker X, Y und Z Teil dieses patentierten 10er-Panels sind.
Aus der direkt verwandten offenen Vorarbeit derselben Arbeitsgruppe lassen sich aber die biologisch plausiblen Schlafentzug-Metabolite herauslesen. Dort wurden nach Schlafentzug unter anderem folgende Speichelmetabolite als verändert beschrieben:

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Diese Vorarbeit berichtet, dass Adenin, Arginin, Glycin, Lysin, Prolin und Tyrosin nach Schlafentzug vor allem am Morgen auffällig waren; Cortisol und Harnsäure waren dagegen niedriger bzw. anders reguliert.
Insgesamt wurden elf identifizierte veränderte Substanzen genannt:
Adenin, Arginin, Cortisol, Glycin, Lysin, Prolin, Tyrosin, Harnsäure, Lactosylurea, Sulfopantetheine und ein Norvalin-Derivat.

Die Kernaussage wäre daher:
Akuter Schlafmangel lässt sich in dieser Arbeit nicht über einen klassischen Einzelmarker belegen, sondern über ein Speichel-Metabolom-Muster. Dieses umfasst mehrere niedermolekulare Stoffwechselmarker, besonders aus Aminosäure-/Nukleobasen-/Stressstoffwechsel und antioxidativem Purinstoffwechsel.

Öffentlich gesichert genannt sind aus der verwandten Arbeit Adenin, Arginin, Glycin, Lysin, Prolin, Tyrosin, Cortisol, Harnsäure, Lactosylurea, Sulfopantetheine und ein Norvalin-Derivat.

Das konkrete patentierte 10er-Biomarker-Panel des ACS-Artikels für eine mögliche Fahrzeugkontrolle wird in den frei zugänglichen Quellen nicht vollständig offengelegt.
 

 
 
Phospholipide helfen bei der Regeneration
Phospholipide und Lecithin: Bausteine für Leber, Nerven und Zellmembranen
 
Wenn von Phospholipiden die Rede ist, geht es häufig auch um Lecithin. Der Begriff „Lecithin“ ist historisch gewachsen und beschreibt ein Gemisch verschiedener Phospholipide. Phospholipide wiederum sind fettähnliche, lebenswichtige Substanzen, die einen Hauptbestandteil unserer Zellmembranen bilden. Jede Körperzelle braucht sie, um stabil, flexibel und funktionsfähig zu bleiben.

Wo kommen Lecithine vor?
Lecithine kommen natürlicherweise in Lebensmitteln vor, zum Beispiel in Eigelb, Soja, Raps, Sonnenblumenkernen und pflanzlichen Ölen. In der Lebensmittelindustrie werden sie außerdem als Emulgatoren eingesetzt, also als Stoffe, die Fett und Wasser miteinander verbinden können.

Für den Körper sind die enthaltenen Phospholipide jedoch weit mehr als nur „Hilfsstoffe“: Sie sind wichtige Bausteine für Zellmembranen, Nervenstrukturen und auch für bestimmte Botenstoffe im Gehirn. Ein Beispiel ist Acetylcholin, ein Neurotransmitter, der unter anderem für Konzentration, Gedächtnis und Nervenfunktion wichtig ist. Medikamnete, die den Abbau des Acetylcholins hemmen, werden z.B. bei Demenz eingesetzt.

Warum spielt die Leber eine zentrale Rolle?
Phospholipide werden häufig im Zusammenhang mit der Leber betrachtet. Das ist sinnvoll, denn die Leber ist ein wichtiges Stoffwechselorgan. Wenn wir dauerhaft mehr Energie aufnehmen, als wir verbrauchen, muss der Körper diese überschüssige Energie speichern.
Das geschieht besonders dann, wenn viele schnell verfügbare Kohlenhydrate, gesättigte Fettsäuren oder Alkohol aufgenommen werden und gleichzeitig zu wenig Bewegung oder Muskelmasse vorhanden sind. Muskelmasse ist stoffwechselaktiv und bestimmt den Grundumsatz. Ist der Energieverbrauch niedrig, lagert der Körper überschüssige Energie zunächst unter anderem in der Leber und später vermehrt im Fettgewebe ein.
Bei der Ernährung müssen wir also entlasten und nicht überfordern.

Eine leberfreundliche Ernährung zielt deshalb darauf ab, den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und gleichzeitig unnötige Belastungen zu reduzieren.
Hilfreich ist eine Ernährung mit viel stärkearmem Gemüse, möglichst roh oder schonend gedünstet. Dazu gehören dann noch hochwertige Eiweißquellen ohne Konservierungsstoffe und essentielle Fettsäuren, also Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann und die über die Nahrung aufgenommen werden müssen.

Ebenso wichtig ist das Essverhalten selbst: Wer langsam isst, gründlich kaut und sich mindestens 20 Minuten Zeit nimmt, gibt dem Körper die Chance, ein natürliches Sättigungsgefühl zu entwickeln. So kann man oft rechtzeitig satt werden, bevor der Teller leer ist.

Individuelle Verträglichkeit und Wirkung
In der therapeutischen Praxis kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen, welche Lecithin- oder Phospholipid-Produkte individuell gut vertragen werden und welche tatsächlich entzündungshemmende Eigenschaften zeigen.
Dafür können spezielle Labortests eingesetzt werden, zum Beispiel ein Basophilen-Aktivierungstest zur Einschätzung möglicher pseudoallergischer Reaktionen oder Untersuchungen zur Wirkung auf den Entzündungsbotenstoff TNF-alpha. Dabei zeigt sich, dass nicht jedes Produkt automatisch günstig wirkt. Teilweise können unerwartete Reaktionen auftreten, während andere Präparate eine deutlich entzündungshemmende Wirkung zeigen können.
Werden individuell passende Substanzen gefunden, können sie Teil eines therapeutischen Konzeptes sein.
Wie ist es mit der Wirkung auf die Leberzirrhose?
In Tiermodellen konnte Phosphatidylcholin, ein wichtiger Bestandteil von Lecithin, alkoholbedingte Leberfibrose und Zirrhose teilweise deutlich abschwächen.
In der größten placebokontrollierten Humanstudie mit alkoholbedingter Leberfibrose oder inkompletter Zirrhose zeigte sich jedoch kein signifikanter Schutz vor einer weiteren Fibroseentwicklung gegenüber Placebo, allerdings hatte sich auch in beiden Gruppen der Alkoholkonsum von durchschnittlich 16 auf 2,5 Drinks/Tag vermindert. Einzelne Laborwerte verbesserten sich in Untergruppen tendenziell. Der wichtigste nachweisbare Schutzfaktor blieb die deutliche Reduktion beziehungsweise Beendigung des Alkoholkonsums.

Mehr als Leberschutz
Phospholipide können nicht nur die Leber unterstützen. Sie sind auch für die Nervenfunktion, den Aufbau gesunder Zellmembranen und den Fettstoffwechsel von Bedeutung. Auch bestimmte Blutfett-Untergruppen, die LDL-Subklassen, können sich unter günstigen Bedingungen in eine weniger gefäßbelastende Richtung verändern.

Fazit
Phospholipide und Lecithine sind wichtige Bausteine für Zellmembranen, Nerven, Gehirnstoffwechsel und Leberfunktion.
Entscheidend ist jedoch das Gesamtkonzept: Eine nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung, gute Eiweiß- und Fettqualität sowie die Reduktion von Stoffen, die der Körper nicht wirklich braucht. Die gezielte orale Ergänzung oder auch der intravenöse Einsatz zur Entzündungsreduktion des TNFa, welches mit Insulin um den Insulinrezeptor konkurriert, sind therapeutische Optionen. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass dieses Phospholipide die Leberverfetng reduzieren. doi.org/10.1111/liv.70601
Ziel ist es, dem Körper das zu geben, was ihn stärkt — und das wegzulassen, was ihn unnötig belastet.
So entscheidet sich dann wieder zwischen Messer und Gabel, wann wir den Löffel abgeben.

 
 
»Wir brauchen eine Prävolution«
Prävention bedeutet: Gesundheit erhalten, bevor Krankheit entsteht

Prof. Dr. Ingo Froböse kritisiert, dass unser heutiges Gesundheitswesen vor allem dann aktiv wird, wenn Menschen bereits krank sind. Es bezahlt Behandlungen, Medikamente, Operationen und Reparaturen.
Was aber viel zu kurz kommt, ist die Frage: Wie verhindern wir, dass Menschen überhaupt krank werden?
Genau darum geht es bei Prävention. Prävention bedeutet nicht nur, gelegentlich Sport zu treiben oder gesünder zu essen. Es bedeutet, die eigenen körperlichen, seelischen und sozialen Ressourcen so zu stärken, dass Menschen langfristig leistungsfähig, widerstandsfähig und gesund bleiben.

Froböse spricht deshalb davon, dass wir eigentlich kein echtes Gesundheitssystem haben, sondern ein Krankheitssystem.
Gesundheit wird zu wenig gelernt, zu wenig geübt und zu wenig im Alltag unterstützt. Dabei entstehen viele chronische Erkrankungen nicht plötzlich, sondern über Jahre und zwar durch Bewegungsmangel, Stress, schlechte Ernährung, fehlende Regeneration, Schlafmangel und den Verlust des Gefühls für den eigenen Körper.

Ein zentraler Punkt ist die Eigenverantwortung.
Jeder Mensch sollte lernen, den eigenen Körper besser zu verstehen:

  • Wann bin ich erschöpft?
  • Wann brauche ich Bewegung?
  • Wann brauche ich Ruhe?
  • Welche Warnsignale sendet mein Körper, bevor ernsthafte Beschwerden entstehen?

Gesundheit darf nicht nur an Ärzte, Medikamente, Apps oder Fitnessuhren abgegeben werden. Menschen brauchen Eigenkompetenz, also die Fähigkeit, selbst gute Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.

Aber Eigenverantwortung allein reicht nicht.
Menschen leben, lernen und arbeiten in bestimmten Lebenswelten. Wenn Kita, Schule, Universität oder Arbeitsplatz krankmachende Strukturen schaffen, können Einzelne das kaum allein ausgleichen. Deshalb müssen auch Politik, Bildungseinrichtungen und Arbeitgeber Verantwortung übernehmen.

Gesundheit sollte von Anfang an gelernt werden, also in der Kita, in der Schule, an Universitäten und am Arbeitsplatz.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene brauchen praktische Bildung über Bewegung, Ernährung, Stress, Schlaf, Regeneration, Körperwahrnehmung und seelische Stabilität. Arbeitgeber sollten nicht nur Leistung fordern, sondern auch Bedingungen schaffen, unter denen Beschäftigte gesund bleiben können.

Daraus folgt eine klare politische Forderung: Prävention muss verbindlich in allen Lebensbereichen verankert werden. Die Politik sollte Konzepte verlangen und fördern, die in Kitas, Schulen, Universitäten und Betrieben die Gesundheitskompetenz stärken. Es reicht nicht, später Krankheiten teuer zu behandeln. Viel sinnvoller ist es, Menschen frühzeitig zu befähigen, gesund zu leben und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Gesundheit ist damit nicht nur Privatsache. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
Wer Prävention ernst nimmt, fordert nicht Bevormundung, sondern bessere Voraussetzungen für Eigenverantwortung. Menschen sollen lernen, selbst kompetent mit ihrem Körper, ihrer Belastung und ihrer Gesundheit umzugehen. Dafür brauchen sie Wissen, Vorbilder, gesunde Umgebungen und politische Rahmenbedingungen.

Die eigentliche Botschaft lautet: Gesundheit entsteht jeden Tag im Alltag – nicht erst im Wartezimmer.

Mein Kommentar dazu:

Ich kann mich der Einschätzung von Professor Froböse nur anschließen. In meiner täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass vielen Menschen die grundlegenden Voraussetzungen fehlen, um gesundheitliche Eigenverantwortung tatsächlich übernehmen zu können.
Das beginnt bei scheinbar einfachen Dingen: Viele wissen trotz Wearables, Gesundheits-Apps und digitaler Messwerte nicht ausreichend, wie man gesund kocht, welche Lebensmittel sinnvoll einzukaufen sind, wie sie kombiniert werden können, welche Kaloriendichte sie haben oder zu welchen Tageszeiten bestimmte Nahrungsmittel günstig sein können. Ebenso fehlt häufig das Verständnis dafür, warum bestimmte Lebensmittel und Inhaltsstoffe essenziell sind und regelmäßig aufgenommen werden müssen.

Hinzu kommt die Frage der Tagesstruktur. Digitale Medien prägen heute Arbeitsalltag und Freizeit in hohem Maße. Dauerhafte Bildschirmfixierung, mediale Abhängigkeit und digitale Reizüberflutung führen nicht selten zu weniger körperlicher Aktivität und zu weniger echten sozialen Interaktionen. Gerade diese natürlichen, unmittelbaren Erfahrungen im echten Leben sind aber wichtig, um Gesundheitskompetenz zu entwickeln, den eigenen Körper wahrzunehmen und innere Sicherheit in gesundheitlichen Fragen zu gewinnen.

Das betrifft nicht nur Sport und Bewegung, sondern auch grundlegende Themen wie Schlafqualität, Verdauung und regelmäßigen Stuhlgang.

Die Zusammensetzung unserer Ernährung beeinflusst schließlich auch unsere Darmbakterien — gewissermaßen unsere „Mitarbeiter“ im Magen-Darm-Trakt. Über die Darm-Hirn-Achse können sie pro- oder antientzündliche Prozesse mitbestimmen und damit erheblich beeinflussen, wie wir funktionieren und wie sich körperliche Gesundheit darstellt.

Genau diese Themen werden in meinen Sprechstunden angesprochen und in diesem Zusammenhang mit Verzehrprotokollauswertung und auch laborchemisch untermauert. Dadurch werden Zusammenhänge sichtbar, nachvollziehbar und für Patientinnen und Patienten verschriftlicht. Das schafft Verständnis — und damit überhaupt erst die Grundlage für echte Eigenverantwortung.
Das große Problem liegt jedoch auf politischer und medizinpolitischer Ebene. Weder der notwendige Zeitaufwand für solche schulenden Gespräche noch viele präventiv sinnvolle laborchemische Diagnostiken sind in den Versicherungsbedingungen und Kalkulationen ausreichend abgebildet.
Damit bestätigt sich die Aussage von Professor Froböse: Wir haben kein echtes Gesundheitssystem, sondern ein Krankheitssystem.
Prävention ist bisher nicht konsequent Teil dieses Systems. Solche Inhalte werden als  primär präventive Leistungen im Kleingedruckten der privaten Krankenversicherungen oft ausgeschlossen. Bei den gesetzlichen Krankenkassen erübrigt sich das durch den Zeitdruck und die Regressgefahr gegenüber den Kassenärzten, wenn die mehr machen als die anderen.

Dadurch wird Gesundheitsaufklärung leider erneut zu einer sozialen Frage: Wer sich umfassende präventive Beratung leisten kann, erhält Zugang zu Wissen, Diagnostik und Orientierung. Wer es sich nicht leisten kann, bleibt häufig außen vor. Genau das darf in einem zukunftsfähigen Gesundheitssystem nicht so bleiben.

 
 
Omega-3, stille Entzündung und die Frage der Entzündungsauflösung

Subklinische, also „stille“ Entzündungen im Fettgewebe gelten heute als ein früher Treiber vieler Stoffwechselstörungen.
Dazu zählen unter anderem Insulinresistenz, Übergewicht, Fettleber und Herz-Kreislauf-Risiken.
In diesem Zusammenhang werden Omega-3-Fettsäuren seit Jahren als regulierende Nährstoffe diskutiert.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu Omega-3-Fettsäuren und Entzündungen im Fettgewebe zeigt ein differenziertes Bild: In vielen Studien lassen sich günstige Effekte nachweisen, aber sie sind nicht einheitlich und nicht immer stark ausgeprägt. Besonders häufig verbessert sich Adiponektin, ein eher entzündungshemmender Botenstoff aus dem Fettgewebe. Leptin und andere Marker wie MCP-1, Chemerin oder ZAG reagieren dagegen weniger zuverlässig.

Wichtig ist dabei: Blutwerte zeigen oft nur einen Ausschnitt. Direkte Untersuchungen im Fettgewebe, etwa über Biopsien, zeigen deutlicher, dass Omega-3-Fettsäuren Entzündungsprogramme in den Zellen beeinflussen können. Das erklärt auch, warum Patienten manchmal von einer besseren Regulation profitieren, obwohl klassische Blutmarker nur wenig Veränderung zeigen. doi:10.1093/nutrit/nuaf089

Aus meiner Sicht ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Omega-3-Fettsäuren wirken nicht nur als „Gegenspieler“ entzündlicher Prozesse.
EPA und DHA sind auch Ausgangsstoffe für sogenannte Pro-Resolving-Mediatoren. Diese Botenstoffe helfen dem Körper, Entzündungen geordnet zu beenden. Auch bestimmte Omega-6-Fettsäuren sind daran beteiligt, zum Beispiel über die Bildung von Lipoxinen. Es geht also nicht um ein schlichtes „Omega-3 gut, Omega-6 schlecht“, sondern um ein fein abgestimmtes Gleichgewicht.
Damit aus diesen Fettsäuren tatsächlich entzündungsauflösende Mediatoren entstehen, braucht der Körper funktionierende Enzymsysteme.
Dazu gehören unter anderem Lipoxygenasen.
Genau hier stellt sich bei chronischen Entzündungen eine wichtige Frage: Fehlen dem Körper vor allem die richtigen Fettsäuren – oder ist die enzymatische Weiterverarbeitung gestört?
In meiner Praxis denke ich hier auch an die intravenöse Sauerstofftherapie nach Dr. Regelsberger. Sie kann nach meiner Erfahrung, die auf Proof of concept-Messungen der Internationalen Gesellschaft für Oxyvenierugstherapie e.V. beruht, Regulationsprozesse unterstützen und wird im Zusammenhang mit einer verbesserten Enzymaktivität diskutiert, die für die Bildung solcher Pro-Resolving-Mediatoren bedeutsam sein kann.

Trotzdem wäre es zu kurz gedacht, chronische Entzündungen nur auf einen Omega-3-Mangel oder eine Enzymschwäche zu reduzieren.
Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen: Mikronährstoffmängel, oxidativer Stress, Schlafmangel, Bewegungsmangel, viszerales Bauchfett, Blutzuckerprobleme, Darmbelastungen, Umweltfaktoren oder eine insgesamt entzündungsfördernde Lebensweise.

Mein Fazit: Eine gute Versorgung mit Omega-3- und sinnvoll ausgewählten Omega-6-Fettsäuren ist eine wichtige Grundlage. Entscheidend ist aber, ob der Körper daraus auch die richtigen entzündungsauflösenden Signale bilden kann. Deshalb lohnt sich bei chronischen Entzündungen immer der breitere Blick auf den Fettsäurestatus, das oxidative Stressprofil,  Mikronährstoffe, Stoffwechsel, Lebensstil und die Regulationsfähigkeit des Organismus.

 
 
Sekundäre Pflanzenstoffe: Wie sie das Herz bei Sauerstoffmangel schützen könnten – aber siehe dazu auch den Kommentar im Nachgang!
 
Wenn das Herz zu wenig Sauerstoff bekommt, spricht man von Hypoxie. Das passiert zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen, einem Herzinfarkt oder wenn Herzgewebe über längere Zeit nicht ausreichend versorgt wird. Für die Herzmuskelzellen bedeutet das großen Stress.
Die Übersichtsarbeit beschreibt, dass bei solchen Belastungen vor allem drei Dinge eine wichtige Rolle spielen:
  • Oxidativer Stress – dabei entstehen aggressive Sauerstoffverbindungen, sogenannte freie Radikale. Sie können Zellen schädigen.
  • Entzündungsreaktionen – Das Immunsystem wird aktiviert. Wenn diese Reaktion zu stark oder zu lange anhält, kann sie das Herz zusätzlich belasten.
  • Störungen der Zellkraftwerke – Die Mitochondrien, also die Energieproduzenten der Zellen, arbeiten unter Sauerstoffmangel schlechter. Dadurch fehlt den Herzmuskelzellen Energie.
Diese Prozesse können dazu führen, dass Herzmuskelzellen geschädigt werden oder sogar absterben. Langfristig kann sich dadurch die Struktur des Herzens verändern, zum Beispiel bei Herzschwäche.

Was sekundäre Pflanzenstoffe bewirken könnten
Sekundäre Pflanzenstoffe sind natürliche Substanzen aus Pflanzen. Dazu gehören unter anderem:

  • Polyphenole und Flavonoide, zum Beispiel Quercetin, Luteolin oder Hesperidin,
  • Alkaloide, zum Beispiel Berberin,
  • Carotinoide, zum Beispiel Astaxanthin oder Crocin,
  • außerdem Saponine und Phytosterole.
Die ausgewerteten Studien zeigen, dass solche Pflanzenstoffe in Zell- und Tierversuchen mehrere schützende Effekte haben können.
Sie können helfen, aggressive Sauerstoffverbindungen abzufangen, Entzündungsprozesse zu dämpfen und die Energieproduktion in den Zellen zu stabilisieren.
Einfach gesagt:
Viele dieser Pflanzenstoffe wirken in Experimenten wie ein Schutzschild für Herzmuskelzellen, wenn diese durch Sauerstoffmangel, Entzündung und oxidativen Stress belastet werden.

Besonders untersuchte Pflanzenstoffe
Polyphenole und Flavonoide wurden besonders häufig untersucht. Stoffe wie Quercetin, Luteolin, Hesperidin und Isoquercetin zeigten in Labor- und Tierstudien entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen. In einigen Modellen war das Herzgewebe nach einer Sauerstoffunterbrechung und anschließenden Wiederaufnahme der Durchblutung weniger stark geschädigt.
Auch Berberin und ähnliche Alkaloide wurden untersucht. Hier lag der Fokus besonders auf den Mitochondrien. Die Studien deuten darauf hin, dass diese Stoffe die Energieversorgung der Herzmuskelzellen unterstützen und Stressreaktionen abschwächen können.
Bei Carotinoiden wie Astaxanthin und Crocin wurden ebenfalls günstige Effekte beschrieben, vor allem in Bezug auf oxidativen Stress, Entzündung und Belastungsmarker von Herz und Blutgefäßen.
Wichtig: Die Wirkung hängt stark von der Anwendung ab
Die Arbeit betont aber auch: Die Wirkung solcher Pflanzenstoffe ist nicht immer gleich.
Sie hängt stark ab von:

  • der Dosis,
  • der Kombination verschiedener Stoffe,
  • der Aufnahme im Körper,
  • der Qualität des Präparats,
  • und der Dauer der Anwendung.
Ein großes Problem ist außerdem die Bioverfügbarkeit.
Das bedeutet:
Nur weil ein Stoff in einer Pflanze oder Kapsel enthalten ist, heißt das nicht automatisch, dass er in ausreichender Menge im Körper ankommt.

Was bedeutet das für die Praxis?
Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber noch kein Beweis dafür, dass sekundäre Pflanzenstoffe Herzkrankheiten beim Menschen zuverlässig behandeln können. Der größte Teil der bisherigen Forschung stammt aus Labor- und Tierstudien. Klinische Studien am Menschen gibt es bisher nur begrenzt, und sie sind oft schwer miteinander vergleichbar.

Die wichtigste Aussage lautet daher:
Sekundäre Pflanzenstoffe könnten das Herz bei Sauerstoffmangel, Entzündung und oxidativem Stress unterstützen. Für klare medizinische Empfehlungen braucht es aber noch bessere Studien am Menschen, mit standardisierten Präparaten, klaren Dosierungen und messbaren klinischen Ergebnissen.
Quelle: Kulkarni A et al.: Role of Anti-Inflammatory and Antioxidant Properties of Natural Products in Curing Cardiovascular Diseases. Curr. Issues Mol. Biol. 2025, 47, 955. DOI: 10.3390/cimb47110955.

Mein ergänzender Kommentar:
Die untersuchten Pflanzenstoffe zeigen in Labor- und Tierstudien herzschützende Effekte, vor allem durch weniger oxidativen Stress, weniger Entzündung und eine Stabilisierung der Zellenergie. Gleichzeitig greifen einige dieser Stoffe in Leberenzyme und Transportmechanismen ein, über die auch viele Medikamente abgebaut werden. Besonders Quercetin, Luteolin, Berberin und Crocin/Safran können CYP-Enzyme oder Transporter beeinflussen. Berberin ist dabei aus Interaktionssicht besonders relevant.
Daher sind solche Substanzen nicht für eine dauerhafte, unkontrollierte Einnahme geeignet, vor allem nicht in hoher Dosierung oder als Kombination mehrerer Präparate. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen häufig Medikamente wie Blutdrucksenker, Blutverdünner, Statine, Diabetesmedikamente oder Rhythmusmedikamente ein. Gerade hier können Wechselwirkungen bedeutsam sein.

Die bisherigen Daten sprechen eher für einen vorsichtigen, gezielten und ärztlich begleiteten Einsatz als für eine pauschale Selbstmedikation. Ernährung mit pflanzenstoffreichen Lebensmitteln ist anders zu bewerten als hochdosierte Extrakte oder Kapseln.

Praktische Risikogruppen für kritische Wechselwirkungen
Besonders vorsichtig wäre ich bei Personen, die eines oder mehrere dieser Merkmale haben:
mehrere Dauermedikamente,

  • Blutverdünner oder Gerinnungshemmer,
  • Statine, Antiarrhythmika, Betablocker oder Calciumantagonisten,
  • Diabetesmedikamente,
  • Antidepressiva, Antipsychotika, Schlaf- oder Schmerzmittel,
  • Immunsuppressiva,
  • bekannte Lebererkrankung, Fettleber, erhöhte Leberwerte,
  • höheres Alter,
  • Schwangerschaft oder Stillzeit.
Die nüchterne Schlussfolgerung lautet: Als Lebensmittelbestandteil sind sekundäre Pflanzenstoffe meist unproblematisch und wahrscheinlich Teil einer herzgesunden Ernährung. Als hochdosierte, dauerhaft eingenommene Supplemente sind sie pharmakologisch aktive Substanzen — und sollten auch so behandelt werden.

Die präklinisch beschriebenen kardioprotektiven Effekte sekundärer Pflanzenstoffe müssen gegen mögliche pharmakokinetische Risiken abgewogen werden. Mehrere der genannten Substanzen, insbesondere Quercetin, Luteolin, Berberin, Hesperidin, Astaxanthin und Crocin/Safran, wurden hinsichtlich ihrer Effekte auf Cytochrom-P450-Enzyme, UGT-Enzyme und Arzneistofftransporter untersucht. Besonders Berberin zeigt auch in Humanstudien relevante Effekte auf CYP2D6, CYP2C9 und CYP3A4. Daher erscheint eine dauerhafte, hochdosierte oder kombinierte Supplementierung ohne Kontrolle insbesondere bei Polypharmazie, Lebererkrankungen oder Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite kritisch.“

Für den konkreten Warnhinweis zu dauerhafter, unkontrollierter Supplementierung sind aus meiner Sicht besonders stark:

  • Berberin-Humanstudie: Guo et al., DOI 10.1007/s00228-011-1108-2
    Weil hier nicht nur Zell- oder Tierdaten vorliegen, sondern eine wiederholt Einnahme beim Menschen mit messbarer CYP-Hemmung.
  • Quercetin-Transporter/CYP-Studie: Mohos et al., DOI 10.3390/nu12082306
    Weil sie zeigt, dass auch Quercetin-Metabolite Transporter wie OATP und BCRP beeinflussen können.
  • Berberin-CYP2D6-Mechanismus: Kim et al., DOI 10.3390/pharmaceutics12100916
    Weil die quasi-irreversible CYP2D6-Hemmung ein plausibles Risiko bei Dauergebrauch erklärt.
  • Hesperidin-Fettleber/CYP-Profil: Sukkasem et al., DOI 10.4103/pm.pm_321_21
    Weil sie zeigt, dass Stoffwechselfaktoren wie Fettleber die Einordnung zusätzlich erschweren können.
  • Naturstoffe-CYP-Review: Zeng et al., DOI 10.3390/molecules27020515
    Als breite Hintergrundquelle für die Aussage, dass pflanzliche Inhaltsstoffe pharmakologisch relevante CYP-Modulatoren sein können.
Literaturliste 1
Literaturliste 2
 
 
Ein Impfnachweis verbleibt mit Infrarot sichtbar in der Haut – Ki gestützte Diskussion zu einem Uncut-News-Artikel – zum Ende wird es philosophisch.

uncutnews.ch/zeichen-des-tieres-gates-finanzierte-technologie-soll-impfstoffe-und-unsichtbare-digitale-markierungen-kombinieren/

Der Text vermischt reale Forschung mit zugespitzten politischen und religiösen Warnungen. Es gibt tatsächlich Forschung zu Mikronadelpflastern, mRNA-Abgabe und unsichtbaren Markierungen in der Haut. Die dramatische Deutung als „Mal des Tieres“ oder als fertiges Kontrollsystem ist aber eine Interpretation der Kritiker, nicht der wissenschaftliche Zweck der Forschung.

Worum geht es?
Der Artikel beschreibt eine Technologie, bei der ein Mikronadelpflaster auf die Haut gedrückt wird. Dieses Pflaster enthält winzige Nadeln, die sich in der Haut auflösen.
news.mit.edu/2019/storing-vaccine-history-skin-1218?utm_source=chatgpt.com
Dabei könnten zwei Dinge passieren:
Erstens wird ein Wirkstoff abgegeben, zum Beispiel ein Impfstoff oder mRNA-basierter medizinischer Stoff.
Zweitens kann gleichzeitig eine unsichtbare Markierung in der Haut hinterlassen werden. Diese Markierung besteht aus sogenannten Quantenpunkten, also winzigen Partikeln, die unter normalem Licht nicht sichtbar sind, aber mit speziellen Infrarotkameras ausgelesen werden können.

Die ursprüngliche Idee dahinter war: In Ländern oder Regionen ohne zuverlässige Gesundheitsakten könnte man direkt am Körper sichtbar machen, ob jemand eine bestimmte Impfung erhalten hat. MIT berichtete 2019 über eine solche Methode, bei der Impfgeschichte unsichtbar unter der Haut gespeichert werden kann. Eine spätere Nature-Materials-Arbeit beschreibt ein „on-patient medical record“-System, also eine Art medizinische Information direkt am Patienten, kombiniert mit Mikronadeltechnik und mRNA-Abgabe.

Was behauptet der Artikel?
Der Artikel sagt im Kern:
Eine durch Gates-nahe Fördergelder unterstützte Technologie könne künftig Impfstoffe und digitale Markierungen am Körper kombinieren. Kritiker wie Nicholas Hulscher warnen, daraus könne eine Art biologischer Impfpass entstehen. Der Mensch müsste dann keinen Papierausweis und kein Smartphone mehr vorzeigen; der Körper selbst würde zum Träger der Information.
Die Sorge lautet: Wer die Markierung auslesen kann, könnte entscheiden, ob jemand Zugang zu Arbeit, Reisen, Geschäften, Verkehrsmitteln oder öffentlichen Räumen bekommt.
Wo könnte Freiheit verloren gehen?

Der Freiheitsverlust beginnt nicht schon bei der bloßen Existenz einer Technologie. Er entsteht dort, wo aus einer freiwilligen medizinischen Hilfe ein verpflichtendes Zugangssystem wird.
Der entscheidende Punkt ist: Ein normaler Impfpass, QR-Code oder Ausweis liegt außerhalb des Körpers. Man kann ihn zu Hause lassen, verlieren, ablehnen oder rechtlich anfechten. Eine unsichtbare Markierung in der Haut wäre viel schwerer vom Menschen zu trennen. Dadurch verschiebt sich die Grenze: Der Körper selbst wird zum Datenträger.

Freiheit könnte vor allem an diesen Stellen verloren gehen:
1. Verlust der körperlichen Selbstbestimmung
Wenn Menschen faktisch gezwungen würden, eine solche Markierung zu akzeptieren, weil sie sonst vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden, wäre die Zustimmung nicht mehr wirklich freiwillig.
2. Verlust der Anonymität
Wenn Gesundheitsinformationen direkt am Körper auslesbar sind, könnten Menschen leichter kategorisiert werden: geimpft, nicht geimpft, vollständig, unvollständig, aktuell, abgelaufen. Selbst wenn die Markierung ursprünglich nur medizinisch gedacht ist, könnte sie später für andere Zwecke genutzt werden.
3. Zugang nur noch bei technischer Freigabe
Die größte Gefahr liegt in der Verknüpfung mit digitalen Kontrollsystemen. Dann entscheidet nicht mehr ein Mensch im Einzelfall, sondern ein Scanner, eine Datenbank oder ein Algorithmus: Zugang erlaubt oder Zugang verweigert.
4. Ausweitung des Zwecks
Eine Technologie, die mit Impfstatus beginnt, könnte später für Identität, Aufenthaltsrechte, Versicherungen, Arbeitsfähigkeit oder Risikobewertungen genutzt werden. Das nennt man Zweckentfremdung oder „function creep“.
5. Normalisierung von Kontrolle
Wenn Menschen sich daran gewöhnen, ihren Körper scannen zu lassen, um am Alltag teilzunehmen, verändert sich das Verhältnis zwischen Bürger und Staat oder Bürger und Konzern. Kontrolle wird dann nicht mehr als Ausnahme empfunden, sondern als normaler Verwaltungsprozess.

Der Orwell-Zusammenhang: „Big Brother is watching you“
George Orwell beschreibt in „1984″ eine Gesellschaft, in der Menschen dauerhaft überwacht werden. „Big Brother is watching you“ bedeutet: Der Einzelne weiß nie genau, wann er beobachtet, bewertet oder sanktioniert wird. Dadurch beginnt er, sich selbst zu kontrollieren.
Der Zusammenhang zu dieser Debatte liegt nicht darin, dass ein Mikronadelpflaster automatisch Orwell bedeutet. Der Zusammenhang liegt in der möglichen Infrastruktur: Wenn Körperdaten, digitale Identität, Gesundheitsstatus, Kameras, KI und Zugangskontrollen zusammenkommen, entsteht ein System, in dem der Mensch ständig überprüfbar wird.
Orwell warnte vor offener politischer Überwachung. Moderne Kontrollsysteme könnten subtiler funktionieren, nämlich nicht durch sichtbare Gewalt, sondern durch Bequemlichkeit, Gesundheitsargumente und technische Standards.
Man sagt nicht: „Du bist unfrei.“ Man sagt: „Bitte scannen, sonst kein Zugang.“

Einordnung
Die Forschung selbst wird meist mit praktischen Gründen begründet: bessere Impf-Dokumentation, weniger Papierkram, Hilfe in armen Regionen ohne Gesundheitsregister. Das ist der positive Nutzen.
Die berechtigte gesellschaftliche Frage lautet aber: Wer kontrolliert solche Systeme, wer darf sie auslesen, wie freiwillig ist die Teilnahme, und welche Informationen dürfen niemals am Körper gespeichert werden?

Kurz gesagt: Die Technologie ist nicht automatisch ein Kontrollinstrument. Aber sie könnte zu einem werden, wenn sie mit Pflicht, Zugangsbeschränkungen, digitaler Identität und staatlicher oder kommerzieller Überwachung verbunden wird. Genau an dieser Schnittstelle würde die Freiheit des einzelnen Menschen gefährdet.

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Noch etwas breiter gedacht!
 
Der Orwell-Bezug wird noch deutlicher, wenn man nicht nur auf eine einzelne Technologie schaut, sondern auf das Gesamtnetz alltäglicher Datenspuren. Orwell beschrieb in 1984 eine Welt, in der Menschen ständig das Gefühl haben, beobachtet zu werden. Heute geschieht das meist nicht durch einen einzigen „Big Brother“, sondern durch viele kleine Systeme: Smartphone, Auto, Kamera, Zahlung, Suchmaschine, App, Cloud, KI-Dienst.
Wichtig ist: Diese Technologien sind nicht automatisch böse. Viele sind nützlich, bequem oder sicherheitsrelevant. Der Freiheitsverlust entsteht dort, wo sie dauerhaft Daten sammeln, miteinander verknüpft werden und der Einzelne keine echte Wahl mehr hat.

Smartphones
Das Smartphone ist heute vielleicht das stärkste Beispiel für modernen „Big Brother“, weil es fast immer beim Menschen ist. Es kennt Standorte, Bewegungsmuster, Kontakte, Fotos, Nachrichten, Gesundheitsdaten, App-Nutzung, Suchverhalten und manchmal sogar biometrische Daten wie Gesicht oder Fingerabdruck.
Der Orwell-Punkt ist: Man trägt das Überwachungsgerät freiwillig selbst in der Tasche. Nicht, weil man überwacht werden will, sondern weil Alltag, Beruf, Banking, Kommunikation, Tickets, Behördenzugänge und soziale Kontakte immer stärker davon abhängen.
Die Freiheit geht verloren, wenn ein Leben ohne Smartphone praktisch kaum noch möglich ist. Dann wird aus Bequemlichkeit eine stille Pflicht.

Navigationssysteme im Auto
Navigationssysteme speichern oder verarbeiten Routen, Ziele, häufig besuchte Orte und Bewegungsgewohnheiten. Daraus lässt sich viel ableiten: Wohnort, Arbeitsplatz, Arztbesuche, politische Veranstaltungen, religiöse Orte, private Beziehungen oder Urlaubsverhalten.
Der Orwell-Bezug liegt darin, dass Bewegung nicht mehr nur Bewegung ist. Sie wird zu einem Datenprofil. Wer weiß, wo ein Mensch regelmäßig hinfährt, weiß oft mehr über ihn als durch viele direkte Fragen.
Freiheit geht verloren, wenn Menschen ihr Verhalten ändern, weil sie wissen oder vermuten, dass ihre Wege nachvollziehbar sind.

Ortungssysteme im Auto
Viele moderne Fahrzeuge haben eingebaute Ortungs-, Notruf-, Diebstahlschutz- oder Flottenfunktionen. Das kann Leben retten oder ein gestohlenes Auto wiederfinden. Gleichzeitig bedeutet es: Das Auto ist nicht mehr nur Maschine, sondern ein vernetztes Gerät.
Problematisch wird es, wenn Halter oder Fahrer nicht genau wissen, welche Daten übertragen werden, an wen sie gehen und wie lange sie gespeichert bleiben.
Der Freiheitsverlust entsteht dort, wo Mobilität nicht mehr privat ist. Früher konnte man irgendwohin fahren, ohne dass automatisch digitale Spuren entstanden. Heute kann die Fahrt selbst Teil eines Datenarchivs werden.

Speicherung technischer Daten in der Autosoftware
Autos speichern heute viele technische Daten: Geschwindigkeit, Bremsverhalten, Beschleunigung, Fehlermeldungen, Assistenzsysteme, Batteriezustand, Nutzungsmuster oder Unfalldaten. Das ist für Wartung, Sicherheit und Versicherung nützlich.
Aber daraus kann auch ein Bewertungsinstrument werden. Versicherungen könnten Fahrverhalten bepreisen. Hersteller könnten Funktionen sperren. Behörden könnten Bewegungs- oder Nutzungsdaten anfordern. Gebrauchtwagenkäufer, Werkstätten oder Plattformen könnten Profile auswerten.
Der Orwell-Punkt: Das Auto „beobachtet“ nicht nur die Straße, sondern auch seinen Fahrer.

Überwachungskameras an öffentlichen Orten
Kameras an Bahnhöfen, Flughäfen, Plätzen oder in Geschäften werden oft mit Sicherheit begründet. Das ist nachvollziehbar. Kritisch wird es, wenn Kameras mit Gesichtserkennung, Bewegungsanalyse oder KI-Auswertung kombiniert werden.
Dann wird aus „ein Ort wird gefilmt“ etwas anderes: „Jede Person kann erkannt, verfolgt und eingeordnet werden.“
Hier ist der Bezug zu Orwell besonders direkt. In 1984 ist der öffentliche Raum nicht frei, weil jeder jederzeit beobachtet werden kann. Auch heute verändert Überwachung das Verhalten. Menschen demonstrieren, treffen sich oder äußern sich anders, wenn sie wissen, dass sie identifizierbar aufgezeichnet werden.

Reiner elektronischer Bezahlungsverkehr
Bargeld ist anonym. Elektronische Zahlungen sind bequem, aber sie erzeugen Datenspuren: Wann wurde wo was gekauft, bei welchem Händler, in welcher Höhe, mit welcher Karte oder App?
Ein rein elektronischer Zahlungsverkehr wäre deshalb ein starker Eingriff in die Freiheit. Nicht, weil Kartenzahlung an sich falsch ist, sondern weil ohne Bargeld jede wirtschaftliche Handlung nachvollziehbar wird.
Besonders heikel: Wer Zahlungssysteme kontrolliert, kann Menschen theoretisch ausschließen. Konten können gesperrt, Zahlungen blockiert, Limits gesetzt oder bestimmte Käufe verhindert werden.
Der Orwell-Punkt lautet: Freiheit hängt dann nicht mehr nur vom Recht ab, sondern vom Zugang zu einem digitalen System.

Speicherung von Suchanfragen in Suchmaschinen
Suchanfragen sind extrem persönlich. Sie zeigen Ängste, Krankheiten, politische Interessen, religiöse Fragen, Beziehungsprobleme, finanzielle Sorgen, sexuelle Orientierung, berufliche Pläne und vieles mehr.
Was jemand sucht, ist oft ehrlicher als das, was er öffentlich sagt.
Wenn Suchmaschinen Anfragen speichern, entsteht ein sehr intimes Interessen- und Gedankenprofil. Das kann für Werbung genutzt werden, aber auch für politische Beeinflussung, Risikobewertung oder Manipulation von Informationen.
Orwells „Gedankenpolizei“ ist natürlich ein literarisches Extrem. Aber Suchdaten kommen dem inneren Denken näher als fast jede andere Datenquelle. Wer Suchanfragen kontrolliert oder auswertet, sieht nicht nur, was Menschen tun, sondern was sie wissen wollen, befürchten oder erwägen.

Speicherung von Eingaben bei ChatGPT und anderen KI-Systemen
Auch Gespräche mit KI-Systemen können sehr persönliche Informationen enthalten: Berufliche Strategien, medizinische Sorgen, politische Ansichten, private Konflikte, Entwürfe, Verträge, Passagen aus internen Dokumenten oder intime Fragen.
Der Unterschied zur Suchmaschine ist: Bei KI schreibt man oft mehr Kontext. Man stellt nicht nur eine Suchfrage, sondern erklärt die ganze Situation. Dadurch können KI-Interaktionen besonders aussagekräftig sein.
Der Freiheitsverlust entsteht, wenn Menschen nicht mehr sicher sind, ob ihre Fragen, Entwürfe oder Gedanken dauerhaft gespeichert, ausgewertet oder mit ihrer Identität verknüpft werden. Dann entsteht Selbstzensur: Man fragt bestimmte Dinge nicht mehr, obwohl gerade das freie Fragen ein Kern von Freiheit ist.
Der Orwell-Bezug liegt hier in der möglichen Nähe zum Denken selbst. Nicht, weil eine KI automatisch eine „Gedankenpolizei“ ist, sondern weil Gespräche mit KI sehr viel über Absichten, Zweifel und Überzeugungen verraten können.

Der entscheidende Punkt: Verknüpfung
Einzelne Datenpunkte wirken oft harmlos:
  • Ein Standort hier.
  • Eine Kartenzahlung dort.
  • Eine Suchanfrage.
  • Ein Kamerabild.
  • Eine Autofahrt.
  • Ein Chatverlauf.
Gefährlich wird es, wenn diese Daten zusammengeführt werden. Dann entsteht ein umfassendes Bild:
  • Wo war jemand?
  • Mit wem war er dort?
  • Was hat er gesucht?
  • Was hat er gekauft?
  • Welche politischen oder medizinischen Interessen hat er?
  • Wie bewegt er sich?
  • Wie zuverlässig, gesund, zahlungskräftig oder „konform“ wirkt er?
Das ist der moderne „Big Brother“: nicht unbedingt eine Person oder ein Ministerium, sondern ein Datenverbund, der den Menschen berechenbar, bewertbar und steuerbar macht.
Wo die Freiheit konkret verloren geht
Freiheit geht nicht nur dann verloren, wenn jemand offen eingesperrt wird. Sie kann schrittweise verschwinden:
  • Man verzichtet auf bestimmte Suchanfragen.
  • Man fährt nicht mehr zu bestimmten Orten.
  • Man äußert sich vorsichtiger.
  • Man zahlt nicht mehr für bestimmte Dinge.
  • Man nimmt an keiner Demonstration teil.
  • Man schreibt keine kritischen Gedanken mehr auf.
  • Man akzeptiert Scans, Apps und Kontrollen, weil man sonst ausgeschlossen wird.
  • Das ist genau die subtile Form von Unfreiheit, die Orwell so beklemmend gemacht hat: Der Mensch passt sich an, bevor jemand ihn ausdrücklich zwingt.
Fazit
Der Satz „Big Brother is watching you“ bedeutet heute nicht nur: Der Staat beobachtet dich. Er kann auch bedeuten:
  • Dein Handy weiß, wo du bist.
  • Dein Auto weiß, wohin du fährst.
  • Deine Bank weiß, was du kaufst.
  • Deine Suchmaschine weiß, was du denkst.
  • Deine Kameraumgebung weiß, wo du auftauchst.
  • Deine KI-Gespräche zeigen, womit du dich innerlich beschäftigst.
Die zentrale Freiheitsfrage lautet daher nicht: „Ist jede dieser Technologien schlecht?“
Sondern: Wer sammelt die Daten, wer darf sie verknüpfen, wer kontrolliert den Zugang — und kann der einzelne Mensch noch Nein sagen, ohne aus dem normalen Leben ausgeschlossen zu werden?
 
Wie das aussehen kann, haben wir unter dem Corona-Diktat erleben dürfen! Bitte nicht verdrängen oder vergessen, am besten ein Zeitdokument der Erinnerungen irgendwo abspeichern!
 
Wohin geht das und wollen wir das? Ich, als älterer Mitbürger, träume im Rentanalter davon ein Auto zu fahren, dass nichts aufzeichnet und eigentlich auch von einem Mobiltelefon, aus dem man den Akuu entnehmen kann und hoffe auf den Vebleib des Bargeldes, so bezahle ich schon jetzt aus Prinzip nur dann mit Karte, wenn ich es bei der Steuer angeben kann und habe auch keine Payback-Karte. Wenn eine Partei so etwas im Wahlprogramm hätte, würde mich das ansprechen, aber da ich auch noch analoge Intelligenz besitze, weiß ich um die Illusion.
 
Ich hoffe, ich habe Ihnen mit diesem Newsletter wieder interessante Informationen zusammengestellt. Bei Fragen, Unklarheiten, Anregungen oder Themenwünschen nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Dirk Wiechert
Facharzt für Allgemeinmedizin

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Dr. med. Dirk Wiechert

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

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