Gesundheitsnewsletter vom 5.8.2018

von | 5. August 2018

Gesundheitsnewsletter vom 05.08.2018


Heute pausiert die Hitze am Morgen auf erträglichen sommerlichen Temperaturen. Hier in Ritterhude ist es leicht bedeckt. Endlich kann man einmal so richtig durchlüften. Heute liegt der Schwerpunkt auf grundlagenmedizinischen Erkenntnissen.


Die Themen:


  • Übergangsmetalle sind in enzymatischen Reaktionen essentielle Katalysatoren, nun gibt es neue Messmethoden.

  • Eiskristallforschung am AWI, Helmholtzinstitut und der Hokaido-Uni in Japan – wie funktionieren Eisschutzproteine?

  • Neues zur Prostata – es wird bestätigt, dass eine MRI-gesteuerte Biopsie erhebliche Vorteile hat.

  • Das Mikrobiom – transient oder resident?

  • Neue Entdeckung bei dem Gebärmutterhalskrebs

  • Nusinersen hilft bei der spinalen Muskelatrophie, hat aber unerwartete Nebenwirkungen.

  • Mit Vibrationen öffnet man die Bluthirnschranke.


Übergangsmetalle sind in enzymatischen Reaktionen essentielle Katalysatoren, nun gibt es neue Messmethoden.

Mit dem Ziel des besseren Verständnisses der Photosynthese wurde das Übergangsmetall Mangan untersucht, das viermal vorhanden sein muss, damit es mit der Phosynthese klappt. In unserem Körper wird Mangan z.B. für die Superoxiddismutase zum Abbau oxidativen Stresses, für die Zuckerneubildung in der Leber, für die Bildung von Melanin, dem Stoff der Hautbräunung und für die Bildung des Belohnungshormons Dopamin benötigt. Es konnten in der Messung die unterschiedlichen Energiezustände, also Reduktions- und Oxidationszustände des Übergangsmetalls und des gesamten Moleküls anhand der Photonen gemessen werden. Für dieses Messverfahren steht die L-Kanten-Absorptionspektroskopie zur Verfügung. Dabei werden Elektronen aus der 2p-Schale des Übergangsmetalls angeregt, damit sie kurzfristig freie d-Orbitale besetzen. Die Energiedifferenz lässt sich dem Röntgen-Absorptionsspektrum ermitteln, die den Oxidationszustand des Moleküls oder des Katalysators widerspiegelt. Bessy II ermöglicht es jetzt die Photonen innerhalb eines Moleküls bei der Arbeit zu beobachten. Mit quantenchemischen Modellrechungen kann nun das Verständnis vieler Enzymreaktionen noch bessser aufgeklärt werden. Das erklärt dann sicherlich auch den Einfluss scheinbar ungiftiger Mengen von Xenobiotika auch anderen Metallen auf die Zellfunktion oder das Entgitungsvermögen des Körpers. Allerdings wird dass wohl alles noch viel Jahre dauern.


Eiskristallforschung am AWI, Helmholtzinstitut und der Hokaido-Uni in Japan – wie funktionieren Eisschutzproteine?

Wenn eine Pflanze winterhart ist, muss sie über ein Schutzsystem verfügen, das verhindert, dass die Zellen durch die Eiskritalle zerstört werden. Entweder enstehen gar keine, wie man es durch Glykolanteile kennt oder sie verändern die Struktur der Eiskristalle, wie nun beforscht wurde. Motivation ist die bessere Qualität von tiefgefrorenen Früchte, damit diese beim Auftauen ihre Struktur behalten. Interessant sich die einzelnen Eiskristalle, zu denen, unter einem ganzen anderen Gesichtspunkt, bereits Dr. Masaru Emoto geforscht hat.
Hier geht es nun aber um die Eisschutzproteine, die in einen schnellen und in einen langsamen Typ unterteilt werden und die eine Absenkung der Gefriertemperatur zwischen 1 und 6 Grad Celsius bewirken, wodurch sich die Eiskristallformen verändern. Die Untersuchung erfolgte  in einer Eiskammer unter dem Mikroskop bei der Entstehung. So sah man z.B. eine sechseckige Plattenbildung nahe des Gefrierpunktes, wie man es von normalem Wasser nicht kennt und bei tieferen Temperaturen entstehen dann die verzweigten Kristalle. Die Eisschutzproteine konnten die Kristalle besonders dünn entstehen lassen, wodurch sich deren Oberfläche/Wassermenge vergrößerte und die Wärme besser abgegeben werden konnte. Dadurch beschleunigte sich der Gefrierprozess gegenüber reinem Wasser. Diese Forschungsergebnisse sind für die Medizin ebenfalls wichtig, wenn es um das Einfrieren und Auftauen von Gewebeproben geht.


Neues zur Prostata – es wird bestätigt, dass eine MRI-gesteuerte Biopsie erhebliche Vorteile hat.

MRI ist ein Kernspin oder eine Magnetresonanztomographie. Es wird also mit einem Magnetsystem das Wasserstoffion, also das Proton, in Resonanz gebracht und aus dessen Spin kann dann ein Bild errechnet werden. Unterschiedliche Gewebe haben unterschiedlich viel Protonen, Krebszellen sind also auch verschieden von den gesunden Zellen und stellen sich daher im Kernspin auch dar. Abhängig von der Anzahl der Bilder, also wie eng die einzelnen Schnittbilder des Organs zueinander liegen und abhängig von der Magnetstärke des Tomographen, die in Tesla angegeben wird, ist die Qualität der Bilder und der Aussagekraft der Untersuchung. Sind die Bilder zu weit auseinander, kann man eine Struktur zwischen den Bildern übersehen. Ist der Abstand 1 cm, die gesuchte Struktur aber kleiner, kann man sie also übersehen. In Bezug auf die Prostatauntersuchung stehen standardmäßig die rektale Ultraschalluntersuchung und die daran gekoppelte Stanzbiopsie zur Verfügung. Schon länger bekannt und auch praktiziert ist die MRT-Untersuchung und diese sogar gekoppelt an bestimmte Tumormarker wie das prostataspezifische Membranantigen  (PSMA) oder Duftrezeptoren. Dieses wird von den Kassen mitunter als noch nicht ausreichend validiert betrachtet und von der Kostenerstattung ausgeschlossen.
Bei der Stanze kann man genauso wie bei der Bildgebung am Tumor vorbei stechen und man kommt dann zu einem falsch negativen Ergebnis. Eine Studie mit 500 Teilnehmern verglich nun die Ergebnisse der Stanzbiopsien und der Entscheidung zur Biopsie in Bezug auf die Sonographie und die MRT-Untersuchung. Im Ergebnis, als Entscheidung zur Biopsie und Treffergenauigkeit des Tumors bei der Biopsie, wurden nach der MRT-Untersuchug 28% der Männer weniger biopsiert, weil der Tumorverdacht verworfen werden konnte und ein im MRT geäusserter Tumorverdacht konnte in 38% der Fälle durch die Biopsie bestätigt werden, während dieses in der ultraschallgesteuerten Biopsie nur in 26% der Fälle gelang.


Das Mikrobiom – transient oder resident?

Innerhalb der ersten drei Lebensjahre, inklusive der Zeit in der Gebärmutter, erwerben wir uns unser residentes Mikrobiom. Alle später auftretenden Mikroorganismen können eigentlich nur als Gast, also transient, bei uns sein. Daher schreibe ich wiederholt hinsichtlich der potentiellen Schwangerschaften und der ersten zwei Lebensjahre nach der Geburt. Das Mikrobiom eines Jeden ist dabei so individuell wie sein Fingerabdruck.
Ein wesentliches Kriterium des gesunden Milieus, die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles – Krankheit ist kein Zufall, beschreibt die sogenannte Kolonisationsresistenz. Die gesunde Besiedlung muss so stark sein, dass kein anderer mehr Platz hat. So sieht man bei der atopischen Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, dass sich die gesunde Hautflora an diesen entzündeten Stellen verabschiedet hat. Das ist bei der Colitis ulcerosa oder dem M. Crohn an den entzündeten Darmschleimhautarealen z. B. nicht anders. Einschränkend muss man allerdings zunächst von Korrelationen und nicht unbedingt von Ursachen sprechen, aber mit Sicherheit war die Kolonisationsresistenz zu schwach. An der Haut sind die gesunden Mikroben der Staphylococccus epidermidis und S. hominis.
S. epidermidis produziert 6-N-Hydroxyaminopurin (6-HAP), wodurch das Wachstum von Hauttumoren gehemmt wird. Diese Mikroorganismen interagieren aber auch mit den dendritischen Zellen und den Langerhans-Zellen des Immunsystems und erzeugen antientzündliche Botenstoffe, die sich auch hinsichtlich der Tight Junctions die Hautbarriere verbesseren. Es gibt also neben einen Leaky-Gut-Syndrom auch die
Situation des Leaky-Derm-Syndroms, wenn ich das einmal so frei formulieren darf.
Bei der Neurodermitis, der Ichthyosis oder der Schuppenflechte gibt es allerdings auch noch mehr als 40 individuelle mögliche Mutationen des Filaggrin-Proteins. Zusätzlich ist neben der Genetik und dem Mikrobiom auch ein Blick auf die Kofaktoren aller Stoffwechselprozesse wichtig.


Neue Entdeckung bei dem Gebärmutterhalskrebs

Die humanen Papillomviren gelten als der Auslöser des Gebärmutterhalskrebses. Daher wird vor dem ersten Geschlechtsverkehr eine Impfung dagegen empfohlen. Nun hat man herausgefunden, dass die Viren in der Lage sind, die Bildung eines wichtige Schutzproteins der Zellen der Gebärmutterschleimhaut, zu unterdrücken. Es handelt sich dabei um das MYPOP, das antiviral und antitumorös wirkt. Fügt man dieses den Tumorzellen wieder hinzu, konnten sich die Zellen zwar noch, aber nicht mehr ungehemmt, teilen. Nun beginnt allerdings erst die Forschung an der kommerziellen Verwendbarkeit. Unabhängig von der Impfung geht es auch hierbei wieder um das Milieu. Stimmt dieses und lässt man das Sperma bei nicht gewollter Schwangerschaft nicht zu lange im Scheidengewölbe, können das Immun- und das antioxidative System auch mit transienten Keimen umgehen.


Nusinersen hilft bei der spinalen Muskelatrophie, hat aber unerwartete Nebenwirkungen.

Dieses Medikament ermöglicht wieder die Produktion des Survival Motor Neuron (SMN)-Protein bei der spinalen Muskelatrophie, was die Beweglichkeit ermöglicht. Als Nebenwirkung kann es leider zu Hirnblutungen, Hirnhautentzündungen und einem Wasserkopf kommen. Symptome wären Bewusstseinstörungen, unklares Erbrechen oder Kopfschmerzen. Mangels einer Alternative wird man das Medikament dankbar nutzen, sollte aber die Option und Deutung dieser Nebenwirkung auf dem Schirm haben.


Mit Vibrationen öffnet man die Bluthirnschranke.

In einer Phase-1-Studie hat man mit fokusssiertem niederfrequentem Ultraschall am Frontalhirn von M.Alzheimer-Patienten gezeigt, wie man die Bluthirnschranke öffen kann. Sie verschließt sich danach wieder von alleine. Zu diesem Zweck hat man gasgefüllte Bläschen in die Vene gegeben, also ein bisschen wie bei der intravenösen Sauerstofftherapie nach Dr. Regelsberger und hat gewartet, bis sich die Bläschen am Hirn wiederfanden. Das geht natürliche nur, wenn der Patient nicht liegt, denn die Bläschen müssen sich ja an den Halsvenen den Weg zum Kopf bahnen. Beim liegenden Patienten, würden die Bläschen in Richtung Lunge abbiegen. Angekommen in den Schädelvenen oder vielleicht wurden die Bläschen auch in eine Schädelvene injiziert, hat man diese und die Zellen der Bluthirnschranke nun mit dem fokussierten niederfrequenten Ultraschall in Vibration versetzt und damit zeigen können, dass die Bluthirnschranke sich öffnete und die Bläschen die Zellmembran durchdringen konnten.

Was ist eigentlich die Bluthirnschranke?
Auch hier geht es wieder um die Tight Junctions, von denn heute wiederholt die Rede ist.
Möglicherweise ist auch die genetische Veranlagung des Multi-Drug-Resistance-Gen (MDR) und die davon gesteuerte Bildung der P-Glykoproteine entscheidend, wie gefährdet man für Erkrankungen ist, die mit einer offenen Bluthirnschranke vergesellschaftet sind.
Dieses MDR ist Teil des von mir gelegentlich beauftragen TOXO-Screens, wenn es um die genetische Veranlagung der Leberentgiftung der Phase 1-3 geht.
Leider habe ich noch keine Studie gefunden, die das so direkt miteinander vergleicht, dennoch führt der Link immerhin Ergebnisse zu Medikamenten an.

Das Öffnen der Blut-Hirn-Schranke geht sicherlich auch mit anderen Frequenzquellen, wie dem Telefon und daher versichert auch kein Versicherer mehr die denkbaren medizinischen Folgen der Nutzung von DECT-Telefonen, Smartphones oder Kopfhörern. Insofern empfehle ich stets die Freisprecheinrichtung mit dem Abstandsquadratgesetz.

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