Gesundheitsnewsletter: Arzt-Patienten-Geheimnis in Gefahr? Gesund älter werden – es ist nicht das Superfood – Interpretation einer großen Reviewstudie unter der Überschrift der antientzündlichen Ernährung und auf die Art, wie ich täglich arbeite!

von | 27. September 2026

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Dr. Wiechert Gesundheitsnewsletter vom 27.09.2026

 
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Praxis für individuelle Diagnostik und Therapie

In meiner Info-Videothek können Sie sich zu verschiedenen

Themen informieren, stöbern Sie ruhig weiter, denn

Sie wissen ja, dass die Quellen meines Wissens stets

benannt werden!

 
Die Themen:

 
 
Ist das Arzt-Patienten-Geheimnis in Gefahr?

Warum die geplante Reform des Nachrichtendienstrechts auch Patientinnen und Patienten betrifft
Wer zu einer Ärztin oder einem Arzt geht, muss offen über sehr persönliche Dinge sprechen können:
Erkrankungen, Ängste, Medikamente, psychische Belastungen, familiäre Probleme, Sexualität, Sucht oder andere sensible Themen können nur unter der Voraussetzung des Vertrauen, dass diese Informationen geschützt bleiben, geäussert werden.

Genau dieses Vertrauen könnte durch die derzeit geplante Reform des Nachrichtendienstrechts berührt werden.

Wichtig vorweg: Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Der Gesetzentwurf wurde am 24. September 2026 erstmals im Deutschen Bundestag beraten und anschließend zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen. Änderungen sind daher weiterhin möglich.

Was soll sich ändern?
Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz sollen zusätzliche Möglichkeiten erhalten, um beispielsweise Spionage, Terrorismus, Sabotage und Cyberangriffe aufzuklären und abzuwehren.
Zu den vorgesehenen Befugnissen gehören unter gesetzlichen Voraussetzungen auch verdeckte Maßnahmen. Nach Angaben der KBV und der Ärztekammer Niedersachsen können hierzu beispielsweise das heimliche Betreten von Geschäfts- und Praxisräumen sowie das Abhören oder Aufzeichnen nichtöffentlicher Gespräche gehören.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Nachrichtendienste künftig generell Zugriff auf alle Arztpraxen oder Patientenakten bekommen. Solche Maßnahmen wären an gesetzliche Voraussetzungen gebunden.

Der entscheidende Kritikpunkt liegt an anderer Stelle:
Ärzte sind bislang nicht in der höchsten Schutzstufe

Der Gesetzentwurf unterscheidet zwischen verschiedenen Berufsgruppen.
Bestimmte besonders vertrauliche Beziehungen – beispielsweise zu Rechtsanwälten, Geistlichen oder Abgeordneten – erhalten einen besonders starken Schutz vor nachrichtendienstlicher Überwachung.

Ärztinnen, Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werden nach dem derzeitigen Entwurf dagegen nicht in gleicher Weise geschützt. Beim Verfassungsschutz sollen sie lediglich unter eine Abwägungsregelung fallen. Die psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachgesellschaften verweisen dabei ausdrücklich auf § 32 des geplanten Bundesverfassungsschutzgesetzes.

Auch im geplanten BND-Gesetz wird die ärztliche und psychotherapeutische Behandlungsbeziehung nach Auffassung der Fachgesellschaften nicht ausdrücklich in gleicher Weise als besonders geschützte Vertraulichkeitsbeziehung anerkannt.

Wo genau liegt die Gefahr für das Arzt-Patienten-Geheimnis?
Die ärztliche Schweigepflicht selbst bleibt bestehen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt darf Ihre Gesundheitsinformationen weiterhin nicht einfach weitergeben.

Die Sorge der Ärzteschaft ist eine andere: Was nützt die Schweigepflicht des Arztes, wenn vertrauliche Informationen durch eine staatliche Überwachungsmaßnahme erhoben werden können, ohne dass Arzt oder Patient davon wissen?
Betroffen sein könnten beispielsweise:
Vertrauliche Arzt-Patienten-Gespräche oder psychotherapeutische Gespräche,
Informationen, die bei einer Überwachung von Praxis- oder Klinikräumen mit erfasst werden,
Diagnosen, Befunde, Arztbriefe und Medikationsdaten,
digital gespeicherte Behandlungsinformationen in Praxis- oder Krankenhaussoftware sowie möglicherweise Informationen aus der elektronischen Patientenakte.

Gerade beim Schutz digital gespeicherter Gesundheitsinformationen fordern medizinische Fachgesellschaften deshalb eine ausdrückliche gesetzliche Klarstellung, dass das Patientengeheimnis unabhängig davon gilt, wo die Daten gespeichert sind.

Warum ist das für alle Patienten wichtig?
Das Problem betrifft nicht nur Menschen, gegen die sich möglicherweise eine nachrichtendienstliche Maßnahme richtet.
Wird beispielsweise eine Praxis oder Klinik überwacht, könnten nach Auffassung der Fachgesellschaften auch Informationen anderer Patientinnen und Patienten zunächst mit erfasst werden. Selbst wenn solche Daten anschließend wieder gelöscht werden müssen, wären sie zunächst erhoben worden.

Noch schwerer wiegt möglicherweise der Vertrauensverlust.
Medizinische Behandlung funktioniert nur, wenn Menschen ihrem Arzt auch Dinge erzählen können, die sie sonst niemandem erzählen würden. Die KBV warnt deshalb davor, dass schon die Befürchtung, medizinische Informationen könnten nicht mehr vollständig geschützt sein, dazu führen kann, dass Patienten wichtige Angaben zurückhalten. Dies kann Diagnostik und Behandlung erschweren.
Besonders sensibel ist dies in Psychiatrie und Psychotherapie. Dort gehören sehr persönliche Gedanken, Ängste, Konflikte oder Krisen unmittelbar zur Behandlung. Psychiatrische Fachgesellschaften warnen deshalb, dass eine mögliche Überwachung Menschen sogar davon abhalten könnte, rechtzeitig medizinische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was fordert die Ärzteschaft?
Ärztekammern, KBV und medizinische Fachgesellschaften fordern im Kern eine klare gesetzliche Grenze:
Die vertrauliche Beziehung zwischen Arzt und Patient soll gegenüber Nachrichtendiensten denselben besonderen Schutz erhalten wie andere besonders geschützte Berufsgeheimnisse.
Dieser Schutz soll nicht nur das persönliche Gespräch umfassen, sondern auch die daraus entstehenden medizinischen Daten – unabhängig davon, ob sie auf Papier, im Praxiscomputer, im Krankenhausinformationssystem oder elektronisch gespeichert werden.
Dabei geht es nicht darum, konkrete Gefahren zu ignorieren. Schon heute gibt es besondere Situationen, in denen die ärztliche Schweigepflicht Grenzen haben kann, beispielsweise bei konkreten erheblichen Gefährdungslagen. Die Kritik richtet sich vielmehr dagegen, die besondere Vertraulichkeit medizinischer Behandlung grundsätzlich schwächer zu schützen als andere Berufsgeheimnisse.

Das Anliegen
Ein Arztgespräch braucht einen geschützten Raum.
Patientinnen und Patienten müssen darauf vertrauen können, dass sie ihrem Arzt auch höchstpersönliche Informationen mitteilen können, ohne befürchten zu müssen, dass diese Gespräche oder ihre Gesundheitsdaten heimlich mitgehört oder ausgewertet werden.

Die Reform befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren. Deshalb ist jetzt entscheidend, wie der Schutz des Arzt-Patienten-Geheimnisses im endgültigen Gesetz ausgestaltet wird.

 
 
Jetzt schlägt die Stunde der Demokratie

Das Gesetz befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren. Bürgerinnen und Bürger können deshalb ihre Abgeordneten auf die Problematik aufmerksam machen, Petitionen einreichen oder mitzeichnen und die weitere Ausschussberatung verfolgen. Im Mittelpunkt sollte dabei die konkrete Frage stehen, ob das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ausdrücklich und umfassend vor nachrichtendienstlicher Überwachung geschützt werden muss.

Wer insbesondere einen stärkeren Schutz des Arzt-Patienten-Geheimnisses erreichen möchte, kann dabei zwischen parlamentarischen, öffentlichen und später gegebenenfalls gerichtlichen Wegen unterscheiden:

  1. Bundestagsabgeordnete direkt anschreiben. Bürger können ihren Wahlkreisabgeordneten sowie Mitglieder des federführenden Innenausschusses kontaktieren; der Bundestag veröffentlicht dafür die Kontaktdaten der Abgeordneten. Sinnvoll ist dabei eine sehr konkrete Bezugnahme auf BT-Drucksache 21/7868 und eine konkrete Frage, etwa: „Wie stellen Sie sicher, dass ärztliche und psychotherapeutische Behandlungsverhältnisse denselben besonderen Schutz vor nachrichtendienstlicher Überwachung erhalten wie andere besonders geschützte Berufsgeheimnisse?“ Damit wird nicht pauschal die gesamte Nachrichtendienstreform abgelehnt, sondern eine klar abgrenzbare Regelung angesprochen.
     
  2. Eine Bundestagspetition einreichen oder mitzeichnen. Das Petitionsrecht ist ausdrücklich durch Art. 17 Grundgesetz geschützt; jedermann darf sich allein oder gemeinsam mit anderen an den Bundestag wenden.  Eine Petition kann ausdrücklich auch eine Gesetzesänderung verlangen. Besonders interessant ist eine öffentliche Petition: Sie kann sechs Wochen lang mitgezeichnet werden. Erreicht sie innerhalb dieser Frist 30.000 Unterstützungen, ist grundsätzlich das Quorum für eine öffentliche Beratung im Petitionsausschuss erreicht. Ein sachlich eng gefasstes Anliegen könnte sich ausschließlich auf die Gleichstellung ärztlicher und psychotherapeutischer Berufsgeheimnisse konzentrieren.
     
  3. Den Innenausschuss und das weitere Ausschussverfahren beobachten. Der Innenausschuss bereitet das Gesetz für die weiteren Beratungen vor und kann öffentliche Sachverständigenanhörungen durchführen.  Solche Anhörungen werden öffentlich angekündigt; interessierte Bürger können bei öffentlichen Anhörungen teilweise auch als Zuhörer teilnehmen beziehungsweise die Übertragung verfolgen. Das Rederecht haben dort allerdings die vom Ausschuss eingeladenen Sachverständigen. Ein Termin speziell zu Drucksache 21/7868 ist heute in den von mir aktuell gefundenen Bundestagsinformationen noch nicht veröffentlicht.
     
  4. Ärzte-, Patienten- und Datenschutzorganisationen einbeziehen. Gerade Verbände können juristische Stellungnahmen erarbeiten, Sachverständige für Anhörungen benennen und konkrete Änderungsvorschläge an die Abgeordneten herantragen. Für diese Diskussion ist eine juristisch präzise Forderung wichtiger als eine allgemeine Aussage gegen „Überwachung“: beispielsweise die Frage, welche Norm Arzt-Patienten-Kommunikation, Behandlungsdaten und zufällig miterfasste Daten unbeteiligter Patienten schützen soll.
     
  5. Öffentliche Diskussion ermöglichen. Bürger können Informationsveranstaltungen organisieren, Leserbriefe oder sachliche Beiträge veröffentlichen, Abgeordnete zu öffentlichen Diskussionen einladen oder von Versammlungs- und Demonstrationsrechten Gebrauch machen. Dabei lässt sich das Thema relativ klar auf den konkreten Konflikt zuspitzen: Sicherheitsinteressen des Staates einerseits und der besondere Vertraulichkeitsschutz medizinischer Behandlung andererseits. Gerade diese Abgrenzung verhindert, dass die Diskussion fälschlich als grundsätzliche Ablehnung nachrichtendienstlicher Arbeit verstanden wird.
     
  6. Nach Inkrafttreten bestehen gegebenenfalls gerichtliche Möglichkeiten. Eine Verfassungsbeschwerde ist allerdings kein allgemeines Instrument, mit dem jeder Bürger ein ihm missfallendes Gesetz überprüfen lassen kann. Bei einer unmittelbaren Beschwerde gegen ein Gesetz müssen Betroffene grundsätzlich selbst, gegenwärtig und unmittelbar in Grundrechten betroffen sein; häufig muss außerdem zuvor fachgerichtlicher Rechtsschutz ausgeschöpft werden. Für Ärzte, Psychotherapeuten, Patienten oder Berufsverbände müsste deshalb im konkreten Fall juristisch geprüft werden, ob und auf welchem Weg eine Beschwerde zulässig wäre.
 
 
Antientzündliche Ernährung: Nicht das einzelne „Superfood“ entscheidet – sondern das Zusammenspiel

Chronische niedrigschwellige Entzündungen können Stoffwechsel, Gefäße, Darm und Immunsystem belasten. Ernährung ist dabei ein wichtiger Einflussfaktor. Aber reicht es wirklich, einfach ein paar „antientzündliche Lebensmittel“ zu essen? Eine aktuelle große Übersichtsarbeit zeigt: Entscheidend ist weniger das einzelne Lebensmittel als das gesamte Ernährungsmuster – und genau deshalb lohnt sich der individuelle Blick.

Wenn wir von einer Entzündung sprechen, denken die meisten Menschen zunächst an etwas Akutes, wie eine gerötete Wunde, einen Infekt, Fieber oder ein schmerzhaft geschwollenes Gelenk. Eine solche Entzündungsreaktion ist zunächst sinnvoll. Das Immunsystem reagiert auf eine Verletzung, einen Erreger oder einen anderen Reiz und versucht anschließend, die Entzündungsreaktion wieder geordnet herunterzufahren.
Problematisch kann es werden, wenn sich dieses System nicht vollständig beruhigt und ein niedrigschwelliger Entzündungszustand bestehen bleibt. Dann sprechen wir häufig von einer chronischen niedriggradigen oder „stillen“ Entzündung. Sie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern kann ein gemeinsamer Bestandteil sehr unterschiedlicher Stoffwechsel- und Krankheitsprozesse sein.
Dabei können beispielsweise CRP, Interleukin-6, TNF-α oder andere Entzündungsmediatoren verändert sein.
Wichtig ist allerdings
: Ein einzelner Laborwert beweist noch keine chronische Entzündung. CRP beispielsweise ist ein sehr nützlicher, aber unspezifischer Marker. Ein erhöhter Wert kann ebenso bei einem akuten Infekt, nach Verletzungen oder aus anderen Gründen auftreten. Umgekehrt schließt ein unauffälliges CRP nicht jede lokale oder niedriggradige Entzündungsaktivität aus.
Genau deshalb interessiert mich weniger die Frage
„Ist dieser eine Wert erhöht?“,
sondern vielmehr
„Warum ist das Regulationssystem dieses Menschen möglicherweise aus dem Gleichgewicht geraten?“

Was sagt die aktuelle Forschung zur antientzündlichen Ernährung?
Eine interessante aktuelle Arbeit hierzu stammt von Gynette L. Reyneke, Kelly Lambert und Eleanor J. Beck. Es handelt sich nicht lediglich um eine einzelne Ernährungsstudie, sondern um eine sogenannte Umbrella Review, also eine systematische Auswertung bereits vorhandener systematischer Reviews und Metaanalysen.
Insgesamt wurden 30 Übersichtsarbeiten mit 225 unterschiedlichen Primärstudien und 15 verschiedenen Ernährungsmustern ausgewertet. Besonders konsistente Ergebnisse fanden die Autoren für die mediterrane Ernährung. Hier zeigten sich günstige Zusammenhänge beziehungsweise Effekte auf CRP, Interleukin-6 und das eher antiinflammatorisch wirkende Adiponectin. Die Sicherheit der Evidenz war je nach untersuchtem Endpunkt allerdings unterschiedlich und reichte von hoch bis niedrig. Für vegetarische Ernährungsformen fanden sich ebenfalls Hinweise auf niedrigere CRP-Werte, die Evidenz war hier jedoch deutlich unsicherer. Für viele andere Ernährungsmuster blieb die Datenlage begrenzt oder widersprüchlich. 

Das ist für mich eine wichtige Botschaft: „Antientzündlich“ ist nicht automatisch gleichbedeutend mit vegan, ketogen, kohlenhydratarm oder besonders restriktiv.
Bei der mediterranen Kost wurden in mehreren Metaanalysen relevante Abnahmen des CRP und von IL-6 beobachtet; gleichzeitig stieg in einem Teil der Untersuchungen Adiponectin an. Trotzdem weisen die Autoren ausdrücklich darauf hin, dass sich Studienpopulationen, Zusammensetzung der Ernährung und Untersuchungsmethoden teilweise erheblich unterschieden. 

Eine Ernährungsform darf deshalb nicht zum Dogma werden.

Was bedeutet das praktisch für meinen Teller?
Eine antientzündlich orientierte Ernährung muss weder kompliziert noch exotisch sein. Eine gute Orientierung bietet für viele Menschen die mediterrane Kost mit viel Gemüse und Salat, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte entsprechend der individuellen Verträglichkeit, Nüsse und Samen, Beeren und anderes Obst, Kräuter sowie hochwertige pflanzliche Öle – insbesondere Olivenöl. Fisch kann regelmäßig integriert werden. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke, große Mengen an Wurstwaren, Süßigkeiten und Fertigprodukte sollten dagegen eher die Ausnahme sein. Fisch und Meeresfrüchte müssen angesichts der zunehmenden Verschmutzung der Meesre mit Mikroplastik und toxischen Metallen differenziert betrachtet werden.

Entscheidend ist jedoch nicht das einzelne „gesunde“ Lebensmittel, sondern das Muster über Wochen und Monate. Was Du dreimal täglich tust, entscheidet über die Gesundheit, was Du dreimal im Monat machst sind später die Erinerungen an die gute alte Zeit. Ebenso wichtig sind ausreichende Eiweißzufuhr, Bewegung, Schlaf, Rauchverzicht und eine gute Regeneration.

Was für den einen Menschen gesund ist, muss für einen anderen nicht automatisch passend sein. Alter, Muskelmasse, Stoffwechsellage, Unverträglichkeiten, Darmerkrankungen, Medikamente und der individuelle Nährstoffbedarf müssen berücksichtigt werden.

Warum die Forschung heute nicht mehr nur einzelne Lebensmittel betrachtet

Früher wurde häufig gefragt:

  • Ist Vitamin C antientzündlich?
  • Ist Omega-3 antientzündlich?
  • Ist Brokkoli gesund?
  • Wie wirkt Olivenöl?

Diese Fragen sind durchaus interessant. Trotzdem essen wir keine isolierten Nährstoffe. Wir essen Mahlzeiten – und diese Mahlzeiten bilden über Wochen, Monate und Jahre ein Ernährungsmuster.

Genau diesen Perspektivwechsel beschreibt auch die aktuelle Übersichtsarbeit. Die moderne Ernährungsforschung betrachtet zunehmend das Zusammenspiel von Lebensmitteln, Nährstoffen und Getränken, weil dieses wahrscheinlich bedeutsamer ist als der isolierte Effekt einer einzelnen Komponente. Besonders häufig finden sich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen in Ernährungsmustern, die mit geringerer Entzündungsaktivität assoziiert sind. Demgegenüber ist das typische westliche Ernährungsmuster stärker durch hoch verarbeitete Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, zugesetzten Zucker, gesättigte Fettsäuren und gleichzeitig relativ wenige ballaststoffreiche Lebensmittel geprägt.

Warum „pflanzlich“ allein noch nicht automatisch „antientzündlich“ bedeutet

Die mediterrane Ernährung gehört zu den am besten untersuchten Ernährungsmustern. Sie ist stark pflanzenbetont, schließt tierische Lebensmittel aber nicht grundsätzlich aus. Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Olivenöl bilden die Basis; Fisch und Geflügel können ergänzen, während rotes beziehungsweise verarbeitetes Fleisch und stark verarbeitete Lebensmittel begrenzt werden. 

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jeder Patient automatisch möglichst wenig tierisches Eiweiß essen sollte. Ein älterer Mensch mit beginnendem Muskelverlust benötigt möglicherweise eine ganz andere Proteinzufuhr als ein jüngerer Patient mit Adipositas und ausgeprägter Insulinresistenz.
Ebenso kann ein Patient mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, erheblichen Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder bestimmten Störungen der Verdauung nicht ohne Weiteres dieselben großen Mengen an Hülsenfrüchten, Rohkost oder anderen ballaststoffreichen Lebensmitteln vertragen wie ein beschwerdefreier Mensch.
Umgekehrt wird eine vegane Ernährung aus Weißmehlprodukten, Süßigkeiten und stark verarbeiteten Ersatzprodukten nicht automatisch dadurch antientzündlich, dass sie keine tierischen Produkte enthält.

Für vegan oder ketogen definierte Ernährungsformen ist die Datenlage hinsichtlich der untersuchten Entzündungsmarker bislang wesentlich weniger eindeutig. Die Autoren diskutieren als einen möglichen Grund, dass solche Ernährungsformen häufig stärker über das definiert werden, was ausgeschlossen wird, während die tatsächliche Qualität und Zusammensetzung der verbleibenden Lebensmittel erheblich variieren kann. 

Ballaststoffe, Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe – warum das biologisch plausibel ist

Es gibt mehrere plausible Mechanismen, über die Ernährung Entzündungsvorgänge beeinflussen kann.
Ungesättigte Fettsäuren und insbesondere Omega-3-Fettsäuren können Entzündungssignalwege beeinflussen. Ballaststoffe wiederum stellen Nahrung für bestimmte Darmbakterien dar. Aus ihnen können kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat entstehen, die unter anderem für die Darmbarriere und die immunologische Regulation bedeutsam sind.
Polyphenole aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen und Olivenöl besitzen antioxidative und entzündungsmodulierende Eigenschaften. Auch diese Mechanismen werden in der aktuellen Übersichtsarbeit als mögliche Erklärungen für die beobachteten Effekte diskutiert. 
Damit sind wir bei einem Zusammenhang, den ich in meiner Praxis immer wieder beobachte und bespreche:
Darm, Stoffwechsel, Immunsystem, Gefäßsystem, Muskulatur und vegetatives Nervensystem funktionieren nicht unabhängig voneinander.
Eine ballaststoffarme Ernährung verändert beispielsweise nicht nur den Stuhlgang. Sie verändert auch das Nahrungsangebot des Darmmikrobioms. Veränderungen des Mikrobioms wiederum können dessen Stoffwechselprodukte beeinflussen.
Gleichzeitig wirken sich Bewegungsmangel, Schlaf, Stressregulation, Körperzusammensetzung, Blutzuckerregulation, Fettsäurezusammensetzung und Mikronährstoffversorgung auf das Gesamtgeschehen aus.
Deshalb halte ich wenig davon, nur einen isolierten Laborwert oder einen einzelnen Nährstoff zu betrachten.

Vom allgemeinen Ernährungstipp zum individuellen Verzehrprotokoll

Nun wissen die meisten Menschen bereits, dass Gemüse vermutlich sinnvoller ist als Fast Food. Trotzdem beantwortet das noch nicht die entscheidende Frage:
Wie ernähre ich mich tatsächlich – und passt diese Ernährung zu meinem persönlichen Stoffwechsel und meinem aktuellen Bedarf?

Hier kann ein Verzehrprotokoll sehr hilfreich sein.
Dabei wird die Ernährung über zwei Wochen möglichst genau dokumentiert. Neben den Lebensmitteln selbst sollten Mengen, Getränke, Zubereitungsformen und Nahrungsergänzungsmittel möglichst vollständig erfasst werden. Bei bestimmten Fragestellungen können zusätzlich Beschwerden nach dem Essen, Stuhlverhalten, Hunger- oder Müdigkeitsphasen und sportliche Belastungen notiert werden.
Auch in den von Reyneke und Kollegen ausgewerteten Arbeiten wurden Ernährungsgewohnheiten unter anderem mithilfe von Food-Frequency-Fragebögen, 24-Stunden-Erinnerungsprotokollen und mehrtägigen Verzehrprotokollen erfasst. 
Anschließend lässt sich ein solches Protokoll anhand von Nährwerttabellen auswerten.
Dabei interessiert mich nicht nur die Kalorienmenge.

  • Wie hoch ist die Eiweißzufuhr?
  • Werden ausreichend Ballaststoffe aufgenommen?
  • Wie verteilt sich die Fettzufuhr?
  • Wie viel davon entfällt auf gesättigte und ungesättigte Fettsäuren?
  • Wie sieht es beispielsweise mit Magnesium, Calcium, Eisen, Zink, Selen, Folat und verschiedenen B-Vitaminen aus?
  • Werden regelmäßig Omega-3-Quellen aufgenommen?
  • Wie hoch ist der Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel?

Eine solche Berechnung bleibt allerdings immer eine Näherung.
Eine Nährwerttabelle weiß nicht, wie gut Sie persönlich einen Nährstoff aufnehmen, wie Ihr Darm arbeitet, welche Medikamente Sie einnehmen oder welchen Verbrauch Ihr Organismus aktuell hat.
Deshalb wird das Verzehrprotokoll besonders aussagekräftig, wenn wir es mit objektiven Befunden verbinden.

Was kommt wirklich im Körper an?

Ein einfaches Beispiel ist Vitamin B12. Es reicht nicht zwingend aus festzustellen, dass Lebensmittel mit Vitamin B12 gegessen werden. Je nach Fragestellung können neben dem Gesamt-B12 auch

  • Holotranscobalamin,
  • Methylmalonsäure und
  • Homocystein

zusätzliche Informationen über die tatsächliche Versorgung geben.

Ähnliches gilt für Eisen. Eine geringe Eisenzufuhr im Verzehrprotokoll kann einen Mangel plausibel machen. Ferritin darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss unter anderem im Zusammenhang mit CRP und weiteren Parametern eingeordnet werden, weil Ferritin selbst bei Entzündungsprozessen ansteigen kann.
Je nach Beschwerdebild können auch

  • Magnesium,
  • Vitamin D,
  • Folat,
  • Zink,
  • Selen,
  • Fettsäuren,
  • Aminosäuren oder
  • andere Mikronährstoffe

interessant werden.

Hinzu kommen die Stoffwechselparameter:
Nüchternglukose, HbA1c, gegebenenfalls Insulin beziehungsweise C-Peptid,
Blutfette, Apolipoproteine und weitere Parameter können zeigen, wie der Organismus mit dem vorhandenen Nahrungsangebot umgeht.

Ebenso wichtig sind die Organparameter. Leber und Niere sind zentrale Stoffwechselorgane. Schilddrüse, Blutbildung und Muskulatur müssen je nach Fragestellung ebenfalls berücksichtigt werden.

Aus der einfachen Frage
„Esse ich gesund?“
wird damit eine wesentlich interessantere Frage:
„Passt meine Ernährung zu meinem Bedarf – und kommt das, was ich esse, tatsächlich dort an, wo es gebraucht wird?“

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Die Impedanzmessung: Ernährung hinterlässt Spuren

Auch die bioelektrische Impedanzanalyse – BIA – kann diesen Blick ergänzen.
Das Körpergewicht allein sagt erstaunlich wenig. Zwei Menschen mit identischem Gewicht können eine völlig unterschiedliche Körperzusammensetzung besitzen.

Die Impedanzmessung hilft uns unter anderem, Körperzellmasse beziehungsweise Muskelmasse, Fettmasse, Wasserverteilung und weitere Parameter der Körperzusammensetzung einzuordnen.
Gerade bei chronischer Erkrankung, Erschöpfung, Gewichtsverlust oder zunehmendem Alter ist für mich beispielsweise wichtig zu erkennen, ob möglicherweise Muskelmasse verloren geht.
Wenn gleichzeitig im Verzehrprotokoll eine niedrige Eiweiß- oder Energiezufuhr sichtbar wird, entsteht daraus eine ganz andere therapeutische Fragestellung als bei einem Patienten mit ausreichender Muskelmasse, hohem Körperfettanteil und Hinweisen auf eine Insulinresistenz.
So wird Ernährung mit dem tatsächlichen Zustand des Körpers verbunden.

HRV: Wie gut kann der Organismus regulieren?

Zur ganzheitlichen Betrachtungrachtung gehört für mich auch das autonome Nervensystem.
Mit der Herzfrequenzvariabilitätsanalyse – HRV – lassen sich Aspekte der vegetativen Regulationsfähigkeit untersuchen.
Die HRV ist ausdrücklich kein direkter Entzündungsmarker. Sie kann jedoch Hinweise darauf geben, wie flexibel der Organismus zwischen Aktivierung und Regeneration wechseln kann.
Gerade bei chronischer Erschöpfung, Schlafproblemen, anhaltender Stressbelastung, Schmerzen oder Belastungsintoleranz kann diese Information einen weiteren Baustein liefern.
Denn Ernährung findet nicht in einem Vakuum statt.
Wer dauerhaft

  • zu wenig schläft,
  • sich kaum bewegt und
  • nur selten in ausreichende Regeneration kommt,

wird sein Regulationsproblem vermutlich nicht allein dadurch lösen, dass täglich Olivenöl und Beeren auf dem Speiseplan stehen.

Von der kleinsten Kapillare bis zur großen Arterie

Mit der Kapillarmikroskopie können wir Aspekte der Mikrozirkulation beurteilen.
Sie ersetzt keine kardiologische oder angiologische Diagnostik und ist ebenfalls kein isolierter Entzündungstest. Sie kann aber einen zusätzlichen Blick auf die kleinsten sichtbaren Gefäße ermöglichen.

Mit dem Knöchel-Arm-Index, KAI beziehungsweise ABI und der Pulswellengeschwindigkeit betrachten wir andere Bereiche des Gefäßsystems.
Der Knöchel-Arm-Index unterstützt die Beurteilung der arteriellen Durchblutung der Beine;
die Pulswellengeschwindigkeit liefert Informationen zur arteriellen Gefäßsteifigkeit.
Das ist deshalb interessant, weil Stoffwechselstörungen nicht nur auf einem Laborzettel sichtbar werden können. Blutzuckerregulation, Blutdruck, Endothelfunktion, Gefäßwand und Mikrozirkulation beeinflussen sich gegenseitig.

Was macht der Blutdruck außerhalb der Sprechstunde?

Ein einzelner Blutdruckwert aus der Praxis ist lediglich eine Momentaufnahme.
Eine Langzeit-RR-Messung kann zeigen, wie sich der Blutdruck über Tag und Nacht verhält, ob eine angemessene nächtliche Absenkung stattfindet und ob relevante Blutdruckspitzen auftreten.
Gerade bei der Beurteilung von Stoffwechsel- und Gefäßrisiken kann das wesentlich aussagekräftiger sein als eine einzelne Messung.

Was kann uns eine kapilläre Blutgasanalyse zeigen?

Je nach Beschwerdebild kann zusätzlich eine kapilläre Blutgasanalyse sinnvoll sein.
Sie liefert unter anderem Informationen über den Säure-Basen-Haushalt sowie über ventilatorische und metabolische Zusammenhänge. In ausgewählten Fällen kann eine Messung in Ruhe und gegebenenfalls nach definierter Belastung zusätzliche Hinweise geben, wie der Organismus auf Belastung reagiert.
Auch diese Untersuchung ist kein direkter Entzündungstest. Sie erweitert vielmehr die funktionelle Betrachtung, beispielsweise bei Belastungsintoleranz, Erschöpfung oder Atembeschwerden.

Der Darm gehört häufig mit auf den Tisch

Und schließlich kommen wir wieder dorthin zurück, wo unsere Nahrung zuerst intensiv mit dem Organismus in Kontakt kommt, nämlich zum Darm.
Bei entsprechenden Beschwerden können Stuhlanalysen weit über die Frage hinausgehen, welche Bakterien vorhanden sind.
Je nach Fragestellung können Verdauungsleistung, Mikrobiomzusammensetzung, mikrobielle Stoffwechselprodukte, kurzkettige Fettsäuren, Schleimhaut- und Entzündungsparameter sowie Hinweise auf die intestinale Barriere von Interesse sein.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jede

Diagnostik sollte keine Sammlung möglichst vieler Untersuchungen sein.
Die Anamnese muss bestimmen, welche Untersuchung eine konkrete Frage beantworten soll.
 

Wie läuft eine individuelle Untersuchung in meiner Praxis ab?

Am Anfang steht zunächst eine besonders ausführliche Erstanamnese. Dabei werden nicht nur die aktuellen Beschwerden betrachtet, sondern auch deren Entwicklung, Vorerkrankungen, vorhandene Laborbefunde und Arztberichte, Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Ernährung, Verdauung, Schlaf, Bewegung, Stressbelastung, Belastbarkeit und weitere relevante Zusammenhänge.
Aus dieser Anamnese entsteht anschließend kein pauschales Untersuchungsprogramm, sondern ein individueller diagnostischer Plan. Je nach Fragestellung können beispielsweise 

  • Laboruntersuchungen zu Mikronährstoffen,
  • Stoffwechsel und Organfunktion,
  • die Auswertung eines Verzehrprotokolls,
  • eine Impedanzmessung,
  • HRV-Analyse,
  • Kapillarmikroskopie,
  • Gefäßmessungen,
  • Langzeitblutdruck,
  • kapilläre Blutgasanalyse
  • 3-D-Vektor-EKG-Messung in Ruhe oder auch funktionell mit Belastung in Kombination mit BGA, herzspezifischen Laborwerten oder
  • eine gezielte Stuhldiagnostik

sinnvoll sein.

Nach dem Erstgespräch erhalten Sie einen ausführlichen schriftlichen Brief, in dem wir die Anamnese, die bisherigen Befunde, meine Einordnung und die besprochenen nächsten Schritte noch einmal verständlich zusammenfassen.
Zusätzlich erhalten Sie einen Kostenvoranschlag für die geplante Diagnostik und die anschließende ausführliche Befundbesprechung. Sie können damit in Ruhe entscheiden, welche Untersuchungen Sie durchführen lassen möchten. Die Diagnostik soll bewusst nicht am gleichen Tag stattfinden. So können Sie es sich genau überlegen und wir können bei Zustimmung in Ruhe die Vorbereitungen dafür treffen, die je nach Umfang auch schon einmal  gerne ein halbe Stunde in Anspruch nehmen. Je nach Umfang dauert so ein Diagnostik-Termi auch mehrere Stunden, es sei denn, dass wir bewusst eine Stufendiagnostik in mehreren kleinen Schritten planen.
Erst wenn die Ergebnisse vorliegen und als Puzzleteil Ihne erklärt wurden, werden die einzelnen Befunde wieder miteinander verknüpft.
Ziel ist nicht möglichst viel Diagnostik, sondern möglichst zielgerichtete Diagnostik, die bei multifaktorielle Ursache auf den ersten Blick auch anders wirken kann, weshalb in der Sprechstundenzusammenfassung auch die begründenden Indikationen benannt werden.

In der anschließenden Befundbesprechung interessiert mich deshalb nicht ausschließlich, ob Vitamin D zu niedrig oder CRP leicht erhöht ist.

Interessant wird vielmehr das Zusammenspiel.
Passt ein Mikronährstoffmangel zum Verzehrprotokoll – oder besteht er trotz rechnerisch ausreichender Zufuhr?
Dann stellt sich beispielsweise die Frage nach

  • Aufnahme,
  • Bedarf oder
  • erhöhtem Verbrauch.
  • Passt eine erhöhte Entzündungsaktivität zu einer gleichzeitig bestehenden Insulinresistenz?
  • Wie sieht die Körperzusammensetzung aus?
  • Gibt es Hinweise auf Muskelverlust?
  • Wie reagiert das vegetative Nervensystem?
  • Wie sehen Mikro- und Makrozirkulation aus?
  • Wie verhält sich der Blutdruck nachts?
  • Bestehen Verdauungsbeschwerden, und lassen sich diese mit Befunden aus einer gezielten Stuhlanalyse sinnvoll zusammenführen?

Erst aus diesen Zusammenhängen entsteht aus meiner Sicht individualisierte Medizin.
Denn zwei Menschen können denselben CRP-Wert haben – und trotzdem völlig unterschiedliche Probleme.

Was Sie bereits heute selbst tun können
Sie benötigen selbstverständlich keine umfangreiche Diagnostik, um Ihre Ernährung schon morgen zu verbessern.

Eine gute Grundregel lautet:
Je natürlicher, abwechslungsreicher und weniger industriell verarbeitet die Ernährung ist, desto günstiger ist häufig bereits die Ausgangslage.
Gemüse darf abwechslungsreich und großzügig vertreten sein. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen können entsprechend der individuellen Verträglichkeit regelmäßig integriert werden. Olivenöl und andere hochwertige pflanzliche Öle sind wertvolle Fettquellen. Fisch kann langkettige Omega-3-Fettsäuren liefern, bringt aber auch Weichmacher und toxische Metalle mit.
Süßgetränke, stark verarbeitete Snacks, große Mengen an Wurstwaren, Fertiggerichte und eine dauerhaft sehr zuckerreiche Ernährung sollten dagegen eher nicht das Grundgerüst des täglichen Speiseplans bilden.
Und Bewegung, Nichtrauchen, ausreichender Schlaf und eine gute Stressregulation bleiben ebenso wichtig.

Denn ein gesunder Stoffwechsel entsteht nicht durch ein Lebensmittel.
Er entsteht aus einem Muster.

 
Mein Fazit
 
Die aktuelle Übersichtsarbeit  doi.org/10.1093/nutrit/nuaf104 bestätigt sehr schön einen Grundgedanken, den ich in meiner Praxis immer wieder verfolge:
Der Mensch besteht nicht aus einzelnen Laborwerten – und Ernährung besteht nicht aus einzelnen Nährstoffen.

Die derzeit überzeugendste Datenlage für eine entzündungsmodulierende Ernährungsweise besteht für ein mediterran geprägtes, pflanzenbetontes und wenig verarbeitetes Ernährungsmuster. Die Studie zeigt gleichzeitig, dass wir vorsichtig damit sein sollten, aus einer Ernährungsform eine allgemeingültige Therapie für jeden Menschen abzuleiten. Die Evidenz unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Ernährungsmustern und auch innerhalb der Studien bestehen relevante Unterschiede.

Deshalb kann der nächste Schritt über allgemeine Ernährungsempfehlungen hinausgehen:

  • Was esse ich tatsächlich?
  • Was davon kommt in meinem Körper an?
  • Wie reagiert mein Stoffwechsel darauf?
  • Und gibt es möglicherweise weitere Faktoren, die einen niedrigschwelligen Entzündungszustand unterhalten?
Ein sorgfältig geführtes Verzehrprotokoll, dessen Auswertung anhand von Nährwerttabellen, Laborwerte, Körperzusammensetzung, vegetative Regulation, Mikro- und Makrozirkulation, Blutdruck, Blutgasanalyse und gegebenenfalls Darmdiagnostik können unterschiedliche Teile dieser Fragen beantworten.

Nicht jeder benötigt alles.
Aber wenn wir untersuchen, sollten wir vorher wissen, welche Frage wir mit der Untersuchung beantworten möchten.
Und genau dafür steht am Anfang nicht ein möglichst großes Laborpaket, sondern zunächst das ausführliche Gespräch mit Ihnen.

Wissenschaftliche Grundlage des Artikels: Reyneke GL, Lambert K, Beck EJ. Dietary Patterns Associated With Anti-inflammatory Effects: An Umbrella Review of Systematic Reviews and Meta-analyses. Nutrition Reviews. Die Arbeit wertete 30 Reviews mit 225 Primärstudien aus; die Literaturrecherche umfasste Veröffentlichungen bis zum 19. März 2025

 
Ich hoffe, ich habe Ihnen mit diesem Newsletter wieder interessante Informationen zusammengestellt. Bei Fragen, Unklarheiten, Anregungen oder Themenwünschen nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Dirk Wiechert
Facharzt für Allgemeinmedizin

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Dr. med. Dirk Wiechert

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

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