Gesundheitsnewsletter vom 29.12.2019

von | 29. Dezember 2019

Heute bleibt es bei einem rein schriftlichen Newsletter. Ich hoffe, dass Sie die Weihnachtszeit gut überstanden haben und sich nun auf das nächste große Ereignis, den Jahreswechsel, vorbereiten können. Ich wünsche Ihnen ein Frohes Neues Jahr und bin am 06.01.2020 wieder für Sie da.


Die Themen:

  • Die Neuigkeiten für die Therapie von Brustkrebspatienten aus 2016 sind jetzt kostenfrei lesbar.

  • Melatonin, das Schlafhormon – was gilt es zu beachten?

  • Kaffee ist gesund, aber Filterkaffee ist wohl am gesündesten.

  • Der Ausgleich von Mängeln im Sinne eines Ernährungsdefizits senkt die Sterblichkeit im Krankenhaus.

  • Warum sind Labormessungen zur Erkennung von behebbaren Therapieerfolgshindernissen so wichtig?


Die Neuigkeiten für die Therapie von Brustkrebspatienten aus 2016 sind jetzt kostenfrei lesbar.

Bilden Brustkrebstumore die extrazelluläre Domäne von HER2/neu aus, dann spricht das für ein schnelles Wachstum. Der monoklonale Antikörper Trastazumab dockt hier an und blockiert den Rezeptor. Ein zweiter Wirkstoff, der Tyrosinkinasehemmer Lapatinib richtet sich ebenfalls gegen diesen Rezeptor. In Amsterdam hat man nun 2016 geschaut, was die Medikamente für sich alleine und was sie in Kombination bewirken. Im Ergebnis war die Kombination wirksamer, was dafür spricht, dass die Tumore trotz scheinbar eindeutigem Rezeptor diesen wohl dennoch modifizieren können. Es wurden 257 Frauen mit einem HER2/neu-positivem Brustkrebs in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine bekam beide Medikkamente, die andere nur Trastazumab. In der Medikamentenkombination waren 11% der Patientinnen nach 14 Tagen frei von sichtbaren Tumoren und bei weiteren 17% waren die Tumore deutlich geschrumpft.
In der Kontrollgruppe mit nur Trastazumab sah man als den maximalen  Therapieerfolg bei 3 % der Teilnehmer eine leichte Schrumpfung.
Da will man doch erstens nur die Kombination als Therapie und zweitens hören, wie es denn nach drei Monaten und später, also 3 Jahren,  aussieht, die Publikation ist ja aus 2016.
Es sollte aber auch unserer Erwartungen relativieren. In der Kombinationsgruppe hat sich in 72% der Fälle und in der Monotherapie in 97% der Fälle gar nichts getan.
Quellen:https://theheartysoul.com/fast-breast-cancer-cure/


Melatonin, das Schlafhormon – was gilt es zu beachten?

Melatonin ist das körpereigene Schlafhormon, dass am frühen Abend einen niedrigen und im letzten Drittel der Schlafphase seinen höchsten Wert hat. Damit dieser natürliche Verlauf nicht gestört wird und weil man zum Anstoßen des Schlafes relativ geringe Mengen benötigt, sollte man auf retardierte Produkte zurückgreifen. Zusätzlich bedarf es des Verzichts auf Licht in der Schlafvorbereitung insbesondere des Verzichts auf blaues Licht, auf vermeidbare Störfaktoren und man sollte das Schlafengehen ritualisieren. Damit ist gemeint, dass es immer zur etwa gleichen Zeit und mit dem Vermeiden aufregender Filme, Bücher, Gespräche etc. vorbereitet werden sollte. Um am Morgen wieder wach zu werden, sollte man alsbald Tageslichtquellen anschalten.
Melatonin hat eine antientzündliche und antioxidative Wirkung. Es wirkt wohl auch günstig bei Kindern mit Autismus, Kindern und Jugendlichen mit Schlafstörungen, ADHS-Patienten, bei prämenstruellem Syndrom und es gleicht die Melatoninbildungshemmung durch Betablocker aus.
Melatonin kann aber auch das Immunsystem stimulieren und daher sollte man es bei Autoimmunerkrankungen nicht einsetzen. Da fiele mir dann aber wieder die intravenöse Sauerstofftherapie nach Dr. Regelsberger ein.


Kaffee ist gesund, aber Filterkaffee ist wohl am gesündesten.

Wenn Schweden mindestens drei Tassen Filterkaffee pro Tag trinken, kann deren Diabetes mellitus Typ-2-Risiko um 60% gesenkt werden. Keinen Effekt zeigen Mengen von einer oder weniger Tassen Kaffee und auch der Brühkaffee. Der Brühkaffee enthält Diterpene, die den Homocysteinspiegel und auch die Triglyceridwerte im Blut erhöhen. Beides sind Risikofaktoren für Diabetes.
https://doi.org/10.1111/joim.13009
Mindestens vier Tassen pro Tag sind notwendig, um das Leberkrebsrisiko zu senken. Gegenüber dem Genuß von nur zwei Tassen Kaffee reduziert sich das Risiko um 75%, wie de europäische Langzeiternährungsstudie zeigt. Darüberhinaus zeigen Laboruntersuchungen eine deutliche Senkung der IL-6-Werte und der GOT und yGT.
https://doi.org/10.3945/ajcn.115.116095
Il-6 ist interessant, weil es zum einen nur eine HWZ von Sekunden hat, wenn nicht das alpha-2-Makroglobulin es verhindert. Es dockt an den IL-6-Rezeptor, den IL-6-R CD126, an, der nur auf den Membranen der Leberzellen und der weißen Blutkörperchen vorkommt und auch an einen löslichen IL-6-Rezeptor, den sIL-6-R.


Der Ausgleich von Mängeln im Sinne eines Ernährungsdefizits senkt die Sterblichkeit im Krankenhaus.

Das Deutsche Ärzteblatt weist erneut darauf hin, dass in Europa mindestens 30% der Patienten, die ins Krankenhaus kommen, mangelernährt sind. In Deutschland sind es mindestens 25%. Als Gründe werden chronische Erkrankungen und mangelnder Appetit angegeben. In der Schweiz hat man nun 5015 Patienten gescreent und bei 2088 ein Ernährungsdefizit festgestellt. Diese fehlernährten Patienten wurden nun zufallsverteilt (randomisiert) in zwei Gruppen eingeteilt und normal oder mit einem speziellen Ernährungsplan versorgt. Es wurde gefragt, ob man den Todeszeitpunkt in den nächsten 30 Tage damit beeinflussen kann, ob es Auswirkungen auf erneute Krankenhauseinweisungen oder intensivmedizinische Behandlungsnotwendigkeiten gab. Es kam heraus, dass 25 Patienten behandelt werden mussten, damit 1 Patient weniger von diesen Studienendpunkten betroffen war. Der Tod trat in der behandelten Gruppe bei 7% und in der normalversorgten Gruppe bei 10 % ein. Es werden also 3 von 100 Patienten mehr gerettet, wenn man nur 30 Tage eine bessere Versorgung ermöglicht. DOI:10.1016/S0140-6736(18)32776-4
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-109233; in diesem Abstract ist ein Zahlenfehler bei den Patientenzahlen, aber dafür ist es auf deutsch zu lesen.

Was bedeuted das?
Hier wurde nach denRegeln des Nutritional Risk Screening geprüft, wobei also weder eine Laboruntersuchung noch die Auswertung eines Verzehrprotokolls erfolgte. Bei dieser Studie wurde also allenfalls die Spitze des Eisbergs erfasst.

In Bremen fährt die Straßenbahmlinie 1 durch viele Stadtteile mit unterschiedlicher Bevölkerungszusammensetzung. Männer haben in Schwachhausen eine mittlere Lebenserwartung von 81 Jahren und in Tenever nur von 73 Jahren. Bei den Frauen 85,2 in Schwachhausen und 78,5 in Tenever.
Die Luft oder die Schulen oder die Ausstattung der Supermärkte sind hier sicherlich nicht die Ursache. Die Bewohner dieser Stadtteile werden auch nicht Gesundheitsapostel oder vorsätzliche Krankheitsprovokateure sein, aber dennoch erzeugt der Unterschied in der Auswahl des Essens, der beruflichen Belastung und dortigen Konfrontation mit Arbeits- und Umweltgiften und deren Mehrbedarf an Mikronährstoffen einen Lebenserwartungsunterschied von 8 Jahren bei den Männern und von 6,7 Jahren bei den Frauen in nur einer Stadt.

Bezogen auf die Herzinfarktrate, wurde für die Stadtteile der Stadt Bremen schon vor Jahren erfasst. Demnach treten in Gröpelingen und Tenever doppelt so viele Herzinfarkte auf, wie in Schwachhausen oder Borgfeld. Zwischen 01/06 und 12/15 hatten in Bremen insgesamt 3452 Menschen erstmals einen nachgewiesenen STEMI, also Herzinfarkt. Das ist fast jeden Tag einer. (10 Jahre zu 365 Tagen) Nachgewiesen sei ergänzt, das sicherlich auch viele Infarkte stumm verlaufen. 71 % der Infarktpatienten waren Männer und davon waren 44% Raucher, 23% waren fetttleibig, also BMI > 30 und 21% waren Diabetiker. Die Unterteilung in die soziale Wohlstandskategorie wurde in vier Gruppen unterteilt. In der Gruppe vier, der sozial schwächsten Gruppe, treten bei Männern und Frauen gleichermaßen bereits vor dem 50. Lebensjahr bereits doppelt so viele Infarkte auf, wie in der Stufe 1 der sozialen Wohlstandskategorie. Diese unter 50-jährigen Herzinfarktpatienten der Gruppe vier haben in den folgenden fünf Jahren gegenüber der gleichen Patientengruppe aus der Stufe 1, ein sechsmal so hohes Sterberisiko. Ärztezeitung 24.01.2018, 11:33 Uhr. Dieser Unterschied ist jedoch nicht auf unterschiedliche ärztliche Behandlung zurückzuführen, da diese Behandlungen standardisiert den Leitlinien folgen. Das Zeitfenster zwischen Alarmierung und Ballondilatation des verschlossenen Gefäßes ist in allen Gruppen gleich.

Was beeinflusst die Sterberate?
Was beeinflusst die Lebenserwartung?

In meiner Praxis gehören die Auswertung eines zweiwöchigen Verzehrprotokolls mit eine Software der DGE und der Abgleich der mit den Messergebnissen der Laboruntersuchung zum festen Vorsorgeprogramm. Dabei sehen wir regelmäßige Mängel in den Laborwerten und auch in den Mittelwerten des zweiwöchigen Verzehrprotokolls. Oft ist es so, dass intuitiv von den Lebensmitteln mehr gegessen wird, bei denen auch der Bedarf der Mikronährstoffe am höchsten ist, also die Werte, die im Labor im Mangel oder im untersten Normbereich gemessen werden.

Abgesehen davon, dass die Mitochondrien mit mitochondrialen Mikronährstoffen versorgt werden müssn, um zu funktionieren und die optimale Leistungsfähigkeit und Lebensfreude zu ermöglichen, sieht man aber an diesem Screeningverfahren, wie man im Sinne der personalisierten Individualmedizin auch die Selbstheilungskräfte optimieren kann und für elektive, also geplante, Krankenhausaufenthalte den Verlauf verbessern kann.
Wie viele Patienten berichten nach einem Krankenhausaufenthalt darüber, wie schwach sie seitdem sind oder welchen Infekt sie sich dort eingefangen haben?


Warum sind Labormessungen zur Erkennung von behebbaren Therapieerfolgshindernissen so wichtig?

Dazu werde ich einige ganz aktuelle schulmedizinische Pubmed-gelistete Daten der Lehrmeinung aufzeigen. Leider ist das keine Leitlinienmedizin und die Kassen werden sich mit Händen und Füßen wehren die Kosten zu erstatten, weil davon ja nichts erwiesen sei. Sie können dann diese Studiendaten vorlegen! Die folgenden Daten sind natürlich nur eine Auswahl. Nutzen Sie die Verlinkung für ältere Artikel zu diesen Themen!
Eisen
Salicylsäure als Medikament oder Bestandteil vieler Gemüse bildet einen Komplex mit Eisen und entzieht dem Körper dieses Spurenelement. Ein Eisenmangel schwächt das Immunsystem und vieles mehr, aber es ermöglicht dem Staphylococcus aureus sich in den oberen Atemwegen in einem Biofilm besser anzusiedeln und zu überleben.
https://doi.org/10.3389/fmicb.2017.00004
Veganer und Vegetarier sind hier häufig betroffen. Besonders schlimm ist es, wenn es sich dabei um einen MRSA handelt. Ab einem Ferritinwert bei normal niedrigem CRP-Wert von <30 µg/l zahlt die Kasse sogar Infusionen, wie der Aussendienst der Pharmaindustrie berichtet. Dennoch bekomme ich von meinen gesetzlich versicherten Patienten immer wieder die tollsten Berichte der vorbehandelnden Ärzte zum Thema Eisenstoffwechsel, weil die verlinkten Normwerte bei Frauen und älteren Menschen niedriger sein dürfen. Wofür haben wir eigentlich Physiologie und Pathophysiologie studiert?
Front. Microbiol., 23 January 2017 | https://doi.org/10.3389/fmicb.2017.00004
The Active Component of Aspirin, Salicylic Acid, Promotes Staphylococcus aureus Biofilm Formation in a PIA-dependent Manner

Bei Herzschwäche helfen Eisentabletten nicht, es muss infundiert werden. In einer Studie zur oralen Eisengabe, die die gleichen Messparameter wir die intravenöse Studie mit Eisencarboxymaltose bei Herzschwäche nutzte, nämlich den 6-Minuten-Gehtest und den NtproBNP-Wert sowie das allgemeine Wohlbefinden, ließ sich keine Verbesserung feststellen. Das Eisen muss also intravenös gegeben werden. Ich mache das in meinen Praxen regelmäßig. DOI: 10.1055/s-0043-120236 AMB 2017, 51, 57

Ein Mangel an Zink SelenKupfer und ein Zu Viel an Schwermetallen schränkt die Schilddrüsenfunktion ein und erhöht das Risiko für Hashimoto-Thyreoiditis.

Den Zusammenhang zwischen der Autoimmunthyreoiditis und Spurenelementen oder Schwermetallen haben serbische Forscher untersucht und haben dabei herausgefunden, dass Nickel und Eisen hier keinen signifikanten Einfluss haben, wohl aber ein Mangel an Kupfer, Zink und Selen sowie eine Mehrbelastung mit Aluminium, Cadmium, Antimon, Chrom, Mangan, Barium, Cobalt, Arsen und Berryllium bei weiblichen Hashimoto-Patienten im Gegensatz zu an der Schilddrüse gesunden Frauen, vorliegt. Wichtig ist hierbei auch die Kontrolle der Quotienten der Komplexpartner, wie ich es regelmäßig mache. Kupfer:Zink, Zink: Selen und Kupfer:Selen. DOI: 10.1055/s-0042-116070

Metalle wie Arsen, Chrom, Cobalt Blei und Cadmium sowie ein Zu Viel an Eisen erhöhen die Bildung freier Radikale und damit auch den oxidativen Stress. Daher messe ich die Antioxidative Kapazität und die Zellwand- (Lipidperoxidation) und Zellkernschäden (8-OH-Desoxyguanosin. DOI: 10.1055/s-0042-116070

Cadmium, Blei, Arsen
Cadmium, Blei und Arsen binden direkt an die Sulfhydrilgruppen und blockieren damit die funktionellen Gruppen der Enzyme. Daher kontrolliere ich die schwefelhaltigen Aminosäuren und das lipidkorrigierte CoQ10. Ohne Cystin, Glycin. Glutamin und Selen kann der Körper auch kein Glutathion bauen.

Zink hat über 300 Kofunktionen und wirkt eher antioxidativ, es cheliert aber Kupfer und daher muss man die Komplexpartner kontrollieren.

TSH im oberen Normbereich kann ein Zeichen für Unfruchtbarkeit sein.
Ein TSH-Wert im Mittel von 1,95 mIU/l bei Unfruchtbarkeit gegenüber 1,66 mIU/l bei fruchtbaren Frauen lässt aufhorchen. TSH gilt durchaus als Stresshormon, weshalb der Einsatz der HRV-Analyse hier eine Objektivierung bringen könnte. Andererseits sollte man sich bei so einer Konstellation auch die fT4-, fT3- Ak-Werte und vor allem Jod im 24-Stunden-Sammelurin anschauen. https://doi.org/10.1210/jc.2017-02120

Nach Ansicht der Krankenkassen, wie die von denen bestellte Gutachter attestieren und wohl auch nicht wenige meiner Kollegen, wenn man den Aussagen der Patienten trauen darf, sind diese Zusammenhänge aber wissenschaftlich nicht erwiesen und daher im Bereich der Diagnostik und Therapie der geldgierigen Scharlatanerie zu zuordnen. Sie sehen aber, dass ich mein Wissen immer mit Studien belege und zu Ihrem Wohl auslege. Entscheiden Sie selbst, nachdem Sie sich informiert haben.

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