Gesundheitsnewsletter vom 20.7.2014

von | 20. Juli 2014

Gesundheitsnewsletter vom 20.07.2014

Die Themen dieser Woche:

  • Rheuma – wann ist die beste Zeit für die Cortisongabe ?

  • Rheuma – sind Auffälligkeiten in Lunge und Darm ursächlich oder nur frühzeitige Marker für das Entstehen von Rheuma ?

  • SIBO-Syndrom – Small Intestinal Bacterial Overgrowth – alter Wein in neuen Schläuchen?

  • Schwefeldioxid und Sulfit-Salze als Unverträglichkeitsstoffe

  • Reflux bei Babies – Vorsicht mit Magensäurehemmern -verstärkte Allergieneigung

  • Erstmals Vitamin-D3 aus rein pflanzlicher Quelle gefunden

  • Eine Hashimoto-Thyreoiditis hat ein erhöhtes Krebsrisiko

  • Schmerzen – der Neurologe findet nichts – Small-Fibre -Neuropathie


Rheuma – wann ist die beste Zeit für die Cortisongabe ?

Nachts gegen zwei Uhr ist der körpereigene Cortisonspiegel am niedrigsten. Das ist die Zeit, in der auch der Blutzucker am niedrigsten sein sollte und in der die Entzündungen ohne Gegenwehr wieder aufflammen können. Ein Cortisonmedikament mit verzögertem Wirkeintritt ist bereits auf dem Markt und ich setze es bei meinen Patienten schon längst auch ein. Der Rheumatologe Prof. Dr. Maurizio Cutolo  von der Uniklinik Genua beschrieb das auf dem Annual European Congress of Rheumatology als eine vermehrte Bildung von Interleukin 6 und anderen entzündungsfördernden Zytokinen. (Insbesondere das Interleukin 17 lässt sich gut mit Cortison erreichen.) Er sieht die bisher übliche morgendliche Cortisongabe, die den körpereigenen Cortisonpeak nur erhöht, für falsch an, da man der nächtlichen Entzündung dann nur hinterherlaufe. Richtiger wäre es, dieses Wiederaufflammen der Entzündung erst gar nicht zu zulassen. Er geht so gar noch weiter und benennt auch für andere Rheumamittel  den nächtlichen Einnahmezeitpunkt als wirksamer. So werden namentlich Methotrexat und Leflunomid erwähnt. Neben Rheuma sieht er auch eine Beziehung zu ähnlichen Krankheitbildern wie M. Bechterew und Polymalgia rheumatica. Als weitere Begündung für die nächliche Medikamentengabe sieht er Quereinflüsse des Cortisons auf die nächtlichen Spiegel von Melatonin und Prolaktin, die beide auch einen immunstimulierenden Effekt haben, der bei Autoimmiunerkrankungen nicht gewollt ist, so ist auch der morgendliche Interleukin-1-Anstieg geringer. (Das ist der Angriffspunkt der Sanakintherapie) (frei zitiert aus Medical Tribune, 49. Jahrgang, Nr. 27/28, 11.Juli.2014, Rheuma special, S. 23)
Ich setze bisher das verzögerte Cortison so ein, dasss ich die halbe benötigte Cortisongabe verzögert nachts gebe und die andere Hälfte sofortwirksam beim morgendlichen Erwachen. Hier beginne ich dann auch vorsichtig zu reduzieren.  Also quasi ein Spagat zwischen der Lehrmeinung und obigem Statement. Es funktioniert ganz gut. Möglicherweise wäre 2/3 zu 1/3 noch besser. Ich ergänze das Konzept aber auch um natürliche Entzündungshemmer wie Curcumin, Resveratrol, intravenöse Sauerstofftherapie, Sanakintherapie, lettere wirkt bei vorangegangener Oxyvenierung aufgrund niedriger entzündungsfördernder Botenstoffspiegel im Blut noch besser  (belegt durch fallendes Neopterin im Blut) und ich versuche Therapieerfolgshindernisse aus zu gleichen. Dazu gehören z.B. LTT-Test auf die hauptsächlichen Entzündungstrigger, da kommen dann schon einmal Hefepilze und Streptokokken heraus, zu denen sich dann auch entsprechende Stuhlbefunde oder Halsschmerzen finden lassen, dazu gehören die Suche nach Defiziten, Minderfunktionen und die Ausleitung von Schwermetallen aber auch physikalische Verfahren, wie der Mikrostrom und der Basenwickel.
Auffällig ist, dass die Patienten trotz nicht mehr nachweisbarer Entzünugsparameter dennoch Schmerzen haben. Hier sehe ich den Ansatz, dass bei Erreichen einer solchen Situation, die entzündungshemmende Medikation nicht mehr ursächlich für die Schmerzen sein kann und somit auch gelockert werden dürfte und dass dann der Schwerpunkt auf die Schmerztherapie gelegt werden müsste. Ziel ist ja die Lebensqualitätsverbesserung und die Begrenzung ungünstiger Nebenwirkungen. Leider sehen die Krankenkassen das  nicht auch so, da man dazu von den Leitlinien, die sie ja erstatten, abweichen muss.


Rheuma – sind Auffälligkeiten in Lunge und Darm ursächlich oder nur frühzeitige Marker für das Entstehen von Rheuma ?

In der Gruppe der Patienten, die bereits auffällige Autoantikörper für Rheuma haben, finden sich in der Krankengeschichte überzufällig häufig, nämlich in 75% der Fälle,  auffällige Röntgenaufnahmen der Lunge. SERA, eine Studie, die Rheumakranke mit Verwandten 1. Grades vergleichend auf das Risiko an Rheuma zu erkranken, untersucht, zeigt mit ersten Ergebnisse zeigen wohl, dass häufiger rheumatypische Autoantikörpern bei den Verwandten gefunden werden und dass die Höhe der Antikörperspiegel mit dem Risiko für das Auftreten der Erkrankung übereinstimmen. Es gibt wohl 16 verschiedene citrullinierte Proteine (ACPA), die zu diesem Krankheitsbild gehören, wenn 9 davon gefunden werden, hat sich das Risiko zu erkranken bereits verfünffacht.
Interessant ist doch, dass von einem Risiko und nicht von einem zwingenden Ereignis die Rede ist. Es muss also ausgleichende oder fördernde Einflüsse auf das Krankheitgeschehen geben – mein Diagnostik- und Therapieansatz bei solchen Krankheitsbildern.
Jetzt wurde auch nach der Darmflora, dem Microbiom, bei Rheumapatienten geschaut.So sah man eine Zurückdrängung der Gruppe der Bacteroides Species. Das sehe ich bei meinen Stuhluntersuchungen übrigens nahezu regelmäßig und vermute stattdessen eine Vermehrung der Firmicuten, die es dann ermöglicht aus Zellulose Energie zu ziehen. Die Rheumatologen fanden bei Rheuma- und Psoriasispatienten als Ausgleich für die zurückgedrängten Bacteroides Species aber einen Anstieg von Prevotella Copri. Im Mausmodell kam es darunter zu einer Vermehrung der Darmentzündung, andere entzündungsfördernde Einflüsse sind wahrscheinlich.
Es ist doch auffällig, dass unsere größten Kontaktflächen zur Aussenwelt, nämlich die Lunge mit ca 80qm und der Darm mit ca. 400 qm oder laut Uni Giessen sogar 15.000 qm, doch wohl den größten Einfluss auf unsere Gesundheit haben müssen und ihnen viel mehr diagnostische und therapeutische Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Das sehen die Krankenkassen aber auch noch nicht so.


SIBO-Syndrom – Small Intestinal Bacterial Overgrowth – alter Wein in neuen Schläuchen?

Durchfall, Bauchkrämpfe, Streifen in der Toilette durch Fettstühle, Blähungen, unangenehmes Bauchgefühl. Ursache soll eine Fehlbesiedlung des Dünndarms , eben small intestinal,sein. Es kommt im Dünndarm zu einer Mehrbesiedlung durch Bacteroides Species, anaerobe Laktobazillen, coliforme Bakterien, Enterokokken und verschiedene Clostridienarten. Nun ist der Dünndarm aber nicht frei von Luft, also auch nicht frei von Sauerstoff und somit haben anaerobe Keime dort eigentlich gar keine Chance zur Überwucherung. Die Gabe von Ozovit würde dieses Problem auch auf natürliche Art und Weise, nämlich die Freisetzung von Sauerstoff im Dünndarm, recht unkompliziert lösen können. Ich vermute also, dass es eigentlich ein Problem des Dünn- und des Dickdarms ist und dann passen die Angaben auch wieder. Eine genaue Trennung ließe sich ja auch nur endoskopisch treffen, denn im Stuhlgang finden sich ja alle Keime wieder.
Die Anerkennung dieses Krankheitsbildes und das auch in abgeschwächter Form, ist von entscheidender Bedeutung, denn es erklärt schlüssig, warum Elektrolyte, Vitamine, Aminosäuren. Kohlehydrate, Fette und Wasser nicht ausreichend aus dem Darm aufgenommen werden können und dass das nicht durch eine normale Ernährung zu erreichen ist. Infusionen sind auch nicht allein glücklich machend, denn viele sekundäre wichtige Nahrungsbestandteile finden sich darin nicht wieder. Ursachen für dieses Krankheitsbild können eine autonome Neuropathie des Darms sein, der dessen Beweglichkeit einschränkt, die Einnahme von Magensäurehemmern -  hier ist das Risiko dreimal höher als bei Nichteinnahme, chronische Magenentzündung mit Versiegen der Magensäureproduktion, Bewegungsmangel, Einschnürungen des Darms z.B. durch Verwachsungen, Diabetes mellitus, Z.n. Blinddarmentfernung, hier ist das Risiko sogar verfünffacht, und Z.n. anderen Magen-Darmoperationen, aber auch Fehlernährung oder Belastung der Ernährung mit Konservierungsmitteln, antibiotikaresistenten Keimen, Rückständen von Pflanzenschutzmitteln etc..
Wenn sich über Jahre die Mangelzustände aufgrund der eingeschränkten Resoptionsfähigkeit verschärfen, entstehen schleichend andere Krankheitsbilder, wie Acrodermatitis enteropathica, Fettleber und andere Mangelsymptome, die man dem Mangel von Vitaminen, Aminosäuren, Elektrolyten, essentiellen Fettsäure etc. zuschreiben kann. In einem Zustand des Übergangs zu dieser eindeutigen Diagnose findet man eben nur Hinweise durch Untersuchung dieser Parameter. Solche Hinweise finde ich in dem Klientel, das mich aufsucht, relativ häufig. Ich nenne den Zustand dann Improvisationsstoffwechsel aufgrund von…. Leider sehen sich die Kassen auch hier nicht in der Pflicht, die notwendigen Ergänzungen als erstattungspflichtig anzuerkennen.
Deutsche Texte zu diesem Thema findet man im Internet kaum.


Schwefeldioxid und Sulfit-Salze als Unverträglichkeitsstoffe

Die meisten Menschen vertragen diese Stoffe, wenn sie aber eine Schwäche der Sulfitoxidase haben, tritt bei Ihnen ein Pseudoallergie auf, die bis zum Asthmaanfall reicht. Leider kann man diese Enzymaktivität im Blut bisher noch nicht bestimmen. Für das Histamin gibt es da ja die Diaminooxidaseaktivität. So bleibt nur die Möglichkeit, es mit einer Auslassdiät zu versuchen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat hierzu eine Auflistung und Erklärung online gestellt.

Reflux bei Babies – Vorsicht mit Magensäurehemmern -verstärkte Allergieneigung

GÖRK die gatroösophageale Refluxkrankheit wird in USA auch bei unter vier Monate alten Babies mit Protonenpumpenhemmern, also Magensäurebildungshemmern, behandelt, wie auf dem 30. Consilium Live des Unternehmens InfectoPharm laut Medical Tribune berichtet wurde. Eine Kontrolluntersuchung zeigte dabei wohl eine Wirkung auf Placeboniveau, aber leider eine Nebenwirkung auf Verumniveau. Durch das Anheben des Magen-pH-Wertes können die Nahrungseiweiße mangels Pepsin nicht aufgeschlüsselt werden. Das fördert dann die Fehlbesiedlung des Darms (SIBO?) und erhöht, mangels Zersetzung oder Verdauung, die Allergenität der Nahrungsmittel. Fehlbesiedlung führt zur Bildung biogener Amine, wie z.B. Histamin und verschärfen dadurch die Ausgangssituation.


Erstmals Vitamin-D3 aus rein pflanzlicher Quelle gefunden

Leider findet man dazu nur Seiten von Verkaufsforen. Als Quelle werden Flechten und Pilze benannt. Hier eine ganz vernünftige Seite.


Eine Hashimoto-Thyreoiditis hat ein erhöhtes Krebsrisiko

Daher sollte deren Schilddrüse regelmäßig von Ärzten geschallt werden, die den ganzen Tag nichts anderes machen, um hier das größtmögliche Maß an Früherkennung zu erreichen.


Schmerzen – der Neurologe findet nichts – Small-Fibre -Neuropathie

Bei eingeschränkter Glukosetoleranz oder auch Insulinresistenz oder Insulinrezeptorresistenz oder eingeschränkter Insulinsensitivität, die man an einem auffälligen HOMA-Index oder C-Peptid-Wert festmachen kann, leiden die Nerven bereits und signalisieren das mit Schmerzen. Das tritt immerhin bei 8,7%  der Prädiabetiker und sogar bei 15,8 % der Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, auf. Dabei sind besonders die Zuckerwerte nach dem Essen die gefährlichen! Die Bestimmung des Nüchternzuckers wähnt uns also viel zu lange in falscher Sicherheit. Erhöhte Spiegel an oxidiertem LDL tragen zu der misslichen Situation bei, aber auch erhöhte Cholesterin- und Fettwerte sind damit vergesellschaftet. Hier bietet sich auch die Untersuchung des Profils der oxidativen Belastung an. Dabei werden die antioxidative Kapazität, das Ausmaß der Lipidperoxidation und der Zellkernschäden als Momentaufnahme des Untersuchungstages erfasst. Der Neurologe findet mit seinen Messmethoden der Nervenleitgeschwindigkeit noch nichts, allenfalls ein leicht vermindertes Temperatur-, Vibrations- und  Schmerzempfinden kann festgestellt werden. Da hilft nur die Biopsie für eine nachfolgende histologische Untersuchung weiter. Ein neue Methode ohne Körperverletzung ist die Korneale Mikroskopie von Nervenfasern der Hornhaut.
Therapeutisch helfen Maßnahmen zur Verbesserung der Glucosetoleranz. Doch Vorsicht mit dem klassischen Mittel Metformin. Es geht um Mitochondrienschädigung. Hilfreich sind Substanzen wie Curcumin, Ingwer, Resveratrol, D-Galaktose, Ernährungsumstellung, Benfothiamin, alpha-Liponsäure, Optimierung der Entzündungsneutralität der Fettsäureverhältnisse, Ausgleich von Vitamin- und Elektrolytmängeln (Cr, Zn, Mg) etc..


Ich hoffe, ich habe Ihnen mit diesem Newsletter wieder interessante Informationen zusammengestellt. Bei Fragen, Unklarheiten, Anregungen oder Themenwünschen nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Dirk Wiechert
Facharzt für Allgemeinmedizin


Email:
Internet: www.dr-wiechert.com


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