Gesundheitsnewsletter vom 12.5.2019

von | 12. Mai 2019

Gesundheitsnewsletter am Muttertag 2019

Heute ist Muttertag. Manchmal bedarf es eines Ehrentags, um es auf den Punkt bringen. Die einzige Liebe, die nicht zwingend auf Gegenseitigkeit beruht und für die man keine Dankbarkeit erwarten darf, ist die Mutterliebe, die heute gewürdeigt werden soll.


Letzte Woche kündigte ich an, dass ich Ihnen in einer Serie unter dem Oberbegriff "saft- und kraftlos – und keiner weiß warum", die Bedeutung der Mitochondrien näher bringen will. Dazu verlinke ich aber die heutige 2. Episode!

Sie sollten dabei im Hinterkopf behalten, dass nahezu alle Zellfunktionen durch Mitochondrien gesteuert werden und dass das Wissen, dass Sie zu der Funktion und Bedeutung der Mitochondrien bekommen, sich auf nahezu jedes Symptom und jede Erkrankung anwenden lässt. Es ist also das Basisverständnis der modernen Medizin und ist für den Studenten prüfungsrelevant in seinen Staatsexamina. Daher hierzu einige Verlinkungen:
Mitochondriale Erkrankungen
Mitochondrien steuern unsere Darmzellen
Prüfungskatalog der Medizin, hier speziell in Physiologie 13.1.5; in Biologie 1,12 und die ganze Biochemie mit Schwerpunkt 16.7.1-3, 18.4, 20.4, 21.2.2


Die Themen:

  • Die Wirkstoffe der Sonnenschutzmittel lassen sich bei regulärer Anwendung in kumulativ relevanter Menge im Blut nachweisen!

  • Personalisierte Individualmedizin bei chronischen Infekten mit Resistenzen gegen gängige Methoden.

  • Eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen ist gut – ein Zu viel ist ungut. Eine Zusammenstellung für Selen und Vitamin D und C.

  • Ein weiterer Artikel zu PSMA-Liganden in der Diagnostik und Therapie des Prostata-Ca.

  • Gibt es so etwas wie eine Krankheitsvorsorge durch ein Bankkonto mit eigenen gesunden Zellen?


Die Wirkstoffe der Sonnenschutzmittel lassen sich bei regulärer Anwendung in kumulativ relevanter Menge im Blut nachweisen!

Sonnenschutz ist zu bestimmten Zeiten der maximalen Sonneneinstrahlung wichtig. Eine Sonnenexposition bis zu einer Antwort der Haut unter dem Rötungsgrad ist für die Vitamin-D-Produktion ebenfalls wichtig. Ein Tag in der Sonne ist ohne Sonnenschutz schädlich. Daher gibt es Sonnenschutzmittel. Die häufigsten kommen aus der Tube und enthalten Nanopartikel. Die sind so klein, dass Sie die Haut passieren können und im Blut nachweisbar sind. Hierzu gibt es nun eine Studie: Die Messung an Tag 2 weist höhere Dosierungen an Lichtschutzfaktoren Oxybenzon, Avobenzon, Octocrylen und Mexoryl SX (Ecamsule) auf, als am Tag des ersten Auftragens und steigt über die Versuchszeit von vier Tagen, an denen es viermal täglich mit 2 mg/Quadratzentimeter Körperoberfläche auf 75% der Körperoberfläche aufgetragen wurde. Der Messwert der Lichtschutzfaktoren Oxybenzon, Avobenzon, Octocrylen und Mexoryl SX (Ecamsule) im Blut überstieg bereits an Tag 1 den kritischen Wert von 0,5 ng/dl, ab der die FDA von systemischer Wirkung dieser Substanzen ausgeht. Über das Thema Sonnenschutz schreibe ich seit 2007 immer wieder einmal. Da ging es bereits um die Nanopartiel und das Verschlucken relevanter Mengen über den Kontakt zur Lippe und deren Folgen bei Kindern.
DOI: 10.1001/jama.2019.5586
DOI: 10.1001/jama.2019.5528
Was sollte man also tun?
Es gibt Sonnenhüte, manche haben ein Tuch am Nacken, wie bei den Beduinen, es gibt leichte luftige, aber UV-schützende Bekleidung, es geht mit Camouflage, also z.B. ägyptischer Erde, mit der kann man die Haut überdecken, es gibt Sonnenschirme, Strandmuscheln, Markisen, Plätze unter schattenspendenden Bäumen etc.


Personalisierte Individualmedizin bei chronischen Infekten mit Resistenzen gegen gängige Methoden.

In diesem Fall geht es um antibiotikaresistente Mykobakterien, die im Allgemeinen zu Tuberkulose oder Lepra, aber auch zu untypischen Erkrankungen führen; konkret war es das Mycobacterium abscessus. Nun haben Forscher es geschafft, dass genetisch veränderte, bakterienzerstörende Viren in Form von Bakteriophagen wirtsspezifisch eingesetzt wurden. Wirtsspezifisch heißt hier, dass diese Bakteriophagen nur gegen das ausgewählte Bakterium eine zerstörende Wirkung haben. Der Proband war an Mukoviszidose erkrankt und von dem Mykobakterium befallen.
DOI: 10.1038/s41591-019-0437-z
Dieses Prinzip sollte sich auch auf Borrelien oder Chlamydien etc. anwenden lassen. Betroffene haben die Möglichkeit, sich über die Angabe der Studienautoren, sich als Versuchskandidat zur Verfügung zu stellen. Oft es bereits positive Rückmeldung gibt wird?


Eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen ist gut – ein Zu viel ist ungut. Eine Zusammenstellung für Selen und Vitamin D und C.

Vitamin C-Spiegel zeigen zu der Prostatakrebsrate eine inverse Beziehung. Je höher der Vitamin-C-Spiegel, umso niedriger die Prostatakrebsrate. Das hat man durch Auswertung der Daten von 103658 Probanden herausgefunden. doi:10.7150/jca.12162
Aber Vorsicht vor heroischen Infusionen. Vorher gilt es einen Glucose-6-Phospha-Ddehydrogenasemangel auszugleichen, um eine Hämolyse zu vermeiden. doi.org/10.1136/bmj.306.6881.841

Auch Vitamin C hat Nebenwirkungen, weshalb man sich mit der Dosierung, der Infusionsgeschwindigkeit, der Lichtempfundlichkeit und Substanzstabilität auskennen sollte.

Vitamin D senkt den PSA-Spiegel und damit vermutlich die Aktivität einer Prostata-Ca-Erkrankung. Allerdings zeigen die histologischen Bestimmungen der Ki67-Expression keine Verminderung, wie sich in der Doppelblindstudie zeigte. doi.org/10.1210/jc.2012-4019
Der Abfall des PSA könnte aber die aktivierende Bedeutung des Ki67 relativieren, wie folgende Studie belegt.

Andererseits zeigt nämlich eine Fall-Kontroll-Studie, dass Männer mit einem 25-OH-D3-Spiegel <30 ng/ml eine aggressivere Krebsvariante entwickeln. doi: 10.1200/JCO.2015.65.1463
Daher bestimme ich stets den Vitamin-D-Spiegel meiner Patienten und habe 50 ng/ml zum Optimum erklärt.

Die optimalen Plasmawerte für Selen liegen bei 100 bis 130 µg/l. Sowohl höhere, als auch niedrigere Werte zeigen eine Korrelation zu erhöhter verfrühter Sterbewahrscheinlichkeit im Allgemeinen und bei einer Krebserkrankung. Der Wert im Vollblut liegt zwischen 140 und 160 µg/l. doi:10.1001/archinternmed.2007.74

Wer ergänzt, sollte also regelmäßig die Werte kontrollieren. Erst bei Ergänzungen von mehr als 1000 µg Selen/d geht man von gravierenden Nebenwirkungen im Sinne der Toxizität aus, wobei ich bei organischen Ergänzungen solche Überdosierungen im Blut > 130 µg/l schon bei sehr geringen von > 50  µg/d messen. Eine gute natürliche Quelle sind Paranüsse. Es sollte immer ein Abstand zu Vitamin C eingehalten werden, da Vitamin C das Selenit oder Selenat zu wirkungslosem atomarem Selen reduziert.
Mögliche Nebenwirkungen sind: Erschöpfung, Muskelschwäche, periphere Neuropathie, Dermatitis, also Hautentzündungen, Nagel- und Haarveränderungen bis zum  Haarverlust, Mundgeruch und Körpergeruch, vermehrte psychische Erregbarkeit, Wachstumsverzögerungen und Leberschädigungen.


Ein weiterer Artikel zu PSMA-Liganden in der Diagnostik und Therapie des Prostata-Ca.

Der radiologische PSMA-Ligand ist spezifisch auf das PSA. Damit kann man erreichen, dass alle damit gekoppelten Wirkstoffe nur an den PSA-Rezeptoren-aufweisenden Zellen andocken und dann in der Diagnostik leuchten und in der Therapie wirken.
DOI: 10.1007/s00259-016-3435-0; DOI:10.1016/j.eururo.2015.06.010; DOI:10.1016/j.juro.2015.12.025; DOI:10.2967/jnumed.115.154153; DOI:10.1007/s11934-017-0736-1; doi: 10.2967/jnumed.115.160382; DOI:10.1007/s00259-016-3490-6.; Doi:10.1002/pros.23091; doi:10.1007/s00259-014-2949-6; doi:10.1007/s00259-016-3366-9,
Frühere Artikel zu diesem Thema.


Gibt es so etwas wie eine Krankheitsvorsorge durch ein Bankkonto mit eigenen gesunden Zellen?

Ich schrieb schon vor Jahren über den Trend, das Nabelschnurblut der Neugeborenen einzufrieren. Welches Potential der Reparatur erkrankten Gewebes haben diese Zellen?
Diese Zellen aufzubewahren ist im Verhältnis zu den möglichen symptomatischen Therapien gering und das selbst über die Lebenszeit hinweg.
In der körpereigenen Krebsbekämpfung geht es um die Aktivität und Effektivität der körpereigenen natürlichen Killerzellen. Diese Eigenschaft kann man im Labor erfassen und auch testen, womit man sie am besten stimulieren kann. Verfügt man über lebendes Tumorgewebe, dann kann man diese Effektivität sogar gegen den eigenen Tumor testen und nicht nur gegen die Standardtumorzelllinien. Es geht dabei um den sogenannten Todeskuss, nämlich die Freisetzung des Perforins, wodurch die Tumorzelle in den natürlichen Zelltod (Apoptose) geschickt wird. Das geht auch mit einer Stanzbiopsie, muss aber im Vorfeld sauber mit dem Pathologen und dem Stanzbiopsie-nehmenden Arzt festgelegt werden. Daher rate ich ja immer wieder dazu, dass man sich seinen Tumor tiefgefroren aushändigen lassen soll und dass man verhindern soll, dass dieser Tumor in Formaldehyd für solche Zwecke unbrauchbar gemacht wird. Dann kann man übrigens auch testen, wie bestimmte Medikamente oder Natursubstanzen anschlagen, ohne dass man den Wirt, also den Patienten, als Versuchskaninchen missbrauen muss. Man kann auch zirkulierende Tumorzellen dafür nutzen. Es bedarf nur einer gewissen Anzahl an Zellen, die allerdings auch kultivierbar sind. Ausserhalb des Körpers haben die Zellen, anders als im Körper, eine veränderte Lebensweise; so verlieren selbst Tumorzellen in vitro irgendwann ihre unbegrenzte Teilbarkeit. Es ist also nicht einmal eben so gemacht und keineswegs Standard, sondern die Option einer personalisierten Individualmedizin auf modernster wissenschaftlicher Basis mit den geringsten Nebenwirkungen. Es gibt dazu selbstverständlich keine In-Vivo-Studien.
Wer diese Form der Lebensversicherung mit dem Nabelschnurblut verpasst hat, kann als gesunder Mensch immer noch sein gesundes Blut für solche Zwecke aufbereiten und einfrieren lassen. Der Vorteil dieser Eigenspende liegt darin, dass man niemals einen Spender für Immunzellen benötigt und dann auch keine Abwehrreaktionen inkauf nehmen muss.
Ich würde mich über Rückmeldungen bezüglich des ernsthaften Interesses an so einer Eigenblutbank freuen. Bei einer ausreichenden Nachfrage würde ich mich bemühen, jemanden zu finden, der das anbieten kann.

Ich habe meine Dissertation ja in der Psychoneuroimmunologie gemacht und dabei auch in der Grundlagenforschung zum Thema Cortisol und Stress bzw. Angst etwas beigetragen. Es wurde übrigens auch gezeigt, das TSH zu den Stresshormonen gehört, weshalb ich neben TSH auch immer fT3 und fT4 mitbestimme. Die Forschung zur Cortisolwirkung wurde auch von anderen verfolgt und so sieht man, dass die kurzzeitige Begegnung von Cortisol und natürlichen Killerzellen zu einer Steigerung der Aktivität der natürlichen Killerzellen führt, der chronische Dauerstress dieses aber leider gegenteilig beeinflusst.

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