Gesundheitsnewsletter vom 10.3.2019

von | 10. März 2019

Gesundheitsnewsletter vom 10.03.2019


Ich habe wieder einige interessante Themen gefunden und im Rahmen der Vorbereitung auf den DGFAN stosse ich natürlich auch auf neue Informationen zur Silent Inflammation, an denen ich Sie teilhaben lassen möchte.


Die Themen:

  • Die Gesundheit des Herzkreislaufsystems 40-jähriger Männer kann annähernd mit Hausmitteln erfasst werden.

  • Wer eine Nierenschwäche hat, möchte wissen, ob die ergriffenen Maßnahmen helfen, aber wie?

  • Zuckerersatzstoffe schaden dem Körper, aber warum?

  • Bei einem Leaky-Gut-Syndrom reagiert der Körper zu Heilungszwecken mit einer Insulinausschüttung.

  • Eine übertriebene Hygiene ist schädlich.

  • Gesundheitsaussagen im Zusammenhang mit Produkten, wie z.B. Curcumin, sind verboten.


Die Gesundheit des Herzkreislaufsystems 40-jähriger Männer kann annähernd mit Hausmitteln erfasst werden.

Abgesehen davon, dass auch sehr gute Sportler plötzlich mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus landen und dass man das bei denen im Vorfeld mit laborchemischen Parametern und der Herzratenvarianzanalyse möglicherweise hätte erfassen können, beschreibt die Anzahl der absolvierbaren Liegestütze die Fitness im Hinblick auf die Gefahr kardiovaskulärer Ereignisse. In der Studie wurden 40-jährige Männer aufgefordert, Liegestütze zu machen. Wer mehr als 40 schaffte, hatte das geringste Risiko, wer elf und mehr schaffte hatte bereits einen wichtigen Cut-off-Wert überschritten, der nur mit einem moderaten Risiko behaftet war, wer aber null bis 10 Liegestütze schaffte, galt als unfit. Einschränkungen gibt es bei Begleiterkrankungen aus dem Knochenhalteapparat. Ob sich die Werte auch auf ältere Menschen übertragen lassen, hier schaut man ja nach der Festigkeit des Händedrucks oder der Aufstehgeschwindigkeit von einem Stuhl etc. muss noch weiter erforscht werden. doi:10.1001/jamanetworkopen.2018.8341

Na, wer hat es mal schnell überprüft? Wenn es nicht klappt, klappt es meistens nicht, weil der innere Schweinehund das regelmäßige Training zu Hause oder im bezahlten Fitnessstudio absagt. Wer dafür eine Lösung sucht, könnte sich an den Trainer meines Praxisteams wenden oder wer lieber mit einer Frau trainiert, muss auch nicht leer ausgehen.


Wer eine Nierenschwäche hat, möchte wissen, ob die ergriffenen Maßnahmen helfen, aber wie?

Eine Nierenschwäche wird an der glomerulären Filtrationsrate in Milliliter pro Minute angegeben. Die Berechnung erfolgt anhand des Kreatinins und beinhaltet Unsicherheiten, die dazu führen, dass bei einer gute Muskelmasse falsch schlechte und bei verminderter Muskelmasse falsch gute Filtratrionswerte errechnet werden. Mit dem Cystatin-C-Wert hat man einen muskelunabhängigen Parameter, der ebenfalls filtriert wird und diese Unsicherheiten nicht hat. Das ist in meiner Praxis bereits vergleichender Standard.
Neu ist für mich nun, dass die Messung des Oxalsäurewertes im 24-Stunden-Sammelurin sich als eigenständiger Risikofaktor darstellt, zu dem er wird, wenn er bei größer als 16,2 mg/24 Stunden liegt. Oxalsäure kommt in der Nahrung vor und soll eigentlich im Darm von Bakterien der Gruppe der Oxalobacter abgebaut werden, diese sind aber sehr antibiotikasensibel. Daher mangelt es an diesen Mitarbeitern meistens. Oxalsäure entsteht aber auch im Rahmen des Aminosäure- und Vitamin-C-Stoffwechsels unseres Körpers und das ist die Quelle für 5-50%  der mit dem Urin ausgeschiedenen und nierenschädigenden Oxalsäure. Harnsäure ist auch nierenschädigend, kann aber mit Vitamin-C und dem Ausgleich eines möglichen Molybdän- und Threoninmangels gesenkt werden, bevor man zu medikamentösen Harnsäuresenkern greifen muss. Die Bestimmung der Oxalsäure im Sammelurin wäre hier nun ein Instrument, um zu entscheiden, ob der natürliche Weg der Harnsäuresenkung nicht zu unerwünschten Oxalsäureanstiegen führt. Oxalsäure entsteht im Körper im Glyoylatzyklus, dessen Fehlfunktion auch zu Schmerzen und Neuropathien führen kann, wie wir vom Methylglyoxal wissen. Glycin wird aus Serin gebildet und besetzt eine wichtige Weichenstellung, da nahezu alle Proteinbildungen auf Glycin zugreifen. In einem Nebenprodukt kann auch Oxalsäure entstehen, es ist aber sicherlich eher zu vernachlässigen. Wird Vitamin C abgebaut, entstehen Oxalsäure oder Threonsäure, der Vitamin-c-Stoffwechsel lohnt einen Exkurs.
JAMA Intern Med. Published online March 4, 2019. doi:10.1001/jamainternmed.2018.7980


Zuckerersatzstoffe schaden dem Körper, aber warum?

In der Womens Health Initiative wertete man die Daten von Frauen zwischen 50 und 79 Jahren über zwölf Jahre aus und schaute nach dem Konsum von zuckerfreien Diätgetränken oder Produkten. Die Gruppe unterteilte man in zwei Teile, nämlich in zwei und mehr Getränke pro Tag und in weniger als zwei zuckerfreie Süßgetränke/Tag. Man schaute aber auch nach dem Konsum der gezuckerten Getränke. Nur wenige Frauen tranken beides, die meisten trafen hier eine klare Entscheidung. Wer nun also mindestens zwei Getränke mit Süßstoff/d trank erhöhte seine Risiken für einen trockenen Hirninfarkt um 31%, für eine Herzkranzgefäßerkrankung um 29%  und das Risiko früher zu sterben als diejenigen, die nur ein oder kein Süßstoffgetränk zu sich nahmen, um 16%.
Auffällig war, dass das Hirninfarktrisiko nur bei einem Übergewicht > BMI 30 anstieg und dass die Sterberate nur bei einem Gewicht unter BMI 30 anstieg. Aber wer will schon gelämt durch Schlaganfall auf den Tod warten? Das Warum wird leider nicht geklärt. . Vermutlich liegt die Erklärung darin, dass das Gehirn auf süß trainiert wird und das Sättigungsgefühl ausbleibt. Daher setzt man Süßstoffe auch in der Tiermast ein. Zusätzlich verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora. Was sagt das DKFZ? Was sagen andere?
Originally published
https://doi.org/10.1161/STROKEAHA.118.023100
Stroke. 2019;50:555–562


Bei einem Leaky-Gut-Syndrom reagiert der Körper zu Heilungszwecken mit einer Insulinausschüttung.

Ein Leaky-Gut-Syndrom des Darms ist ein Durchlässigkeitssyndrom. Der Verdauungstrakt durchzieht unseren Körper wie ein Schlauch oder ein Tunnel und an verschiedenen Abschnitten sind verschiedene Aufgaben zu erfüllen, weshalb sich dort auch andere pH-Werte und andere Besiedlungen mit Darmkeimen finden. Bei allen Aufgaben der Nährstoffaufnahme sollen Stoffe, die dem Körper schaden, in dem Tunnel verbleiben. Andererseits wollen alle Angreifer gerne in den Körper hinein. Der Zellverband mit den Desmosomen und die Immunzellen der Darmwand, das sekretorische Immunglobulin A und das Ausmaß der Erneuerung der Darmschleimhaut sind Abwehrmaßnahmen des Körpers. Der Anstieg des Calprotectins und des Zonulins im Stuhl zeigen an, wie ausgeprägt das Leaky-Gut-Syndrom ist.
Neu ist nun, dass der Körper zur Reparatur des Durchlässigkeitssyndroms Insulin freisetzt und dass dieses Leaky-Gut-Syndrom mit einer Insulinresistenz einhergeht, die zu Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und Darmkrebs führt. Darmkrebs ist bei Männern die häufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebsdiagnose.

Was aber erzeugt so ein Durchlässigkeitssyndrom? Der Film zeigt allergische Reaktionen an, aber es gibt auch Studien zu Nanopartikeln, Titandioxid E171 und zu Polysorbat 80 sowie Carboxmethylcellulose. Infektionen, Fehlverdauungen und Mangelzustände sind natürlich ebenfalls Teil der Ursachensuche. Zusatzstoffe, die im Verdacht stehen, so ein Leaky-Gut Syndrom zu erzeugen, kann man aber meiden.

Originalpublikation: AL Ostermann, CM Wunderlich, L Schneiders, MC Vogt, MA Woeste, BF Belgardt, CM Niessen, B Martiny, AC Schauss, P Frommolt, A Nikolaev, N Hövelmeyer, RC Sears, PJ Koch, D Günzel, JC Brüning, FT Wunderlich: Intestinal insulin/IGF1 signalling through FoxO1 regulates epithelial integrity and susceptibility to colon cancer. Nature Metabolism, 2019.


Eine übertriebene Hygiene ist schädlich.

Ich sage schon immer, dass ein gesunder Bakterienmix noch niemandem geschadet hat. Je mehr ich die Vielfalt einenge, um so eher können sich besonders agggressive Keime durchsetzen. Der Genaustausch antibiotikaresistenter Keime wird gefördert, in dem man die wenigen starken Keime miteinander netzwerken lässt. Solche Situationen finden sich im Abwasserbereich, in den Därmen der Tiere und auch in unserer Nahrungskette. Besonders kritisch ist es in speziellen Hygienebereichen, wie Intensivstationen. Diese Keimarmut, die wir dort erzeugen und teilweise auch erzeugen müssen, fördert die Resistenzen. Zuhause sollte man daher reichlich lüften, Pflanzen aufstellen und mit weniger antimikrobiellen Reinigungsmitteln zu Werke gehen.
Nature Communicationsvolume 10, Article number: 968 (2019); DOI: 10.1038/s41467-019-08864


Gesundheitsaussagen im Zusammenhang mit Produkten, wie z.B. Curcumin, sind verboten.

Die Firma Loges vertreibt ein Curcumin und Vitamin-D-Präparat und bewirbt es mit antientzündlicher Wirkung sowie Einfluß auf die Immunmodulation. Das wir ihr nun verboten worden. Dazu kann ich nichts sagen, aber es ist bekannt, das Curcumin ein Cyclooxygenasehemmer ist, der wie NSAR auch, antientzündlich wirkt, wenn er denn das Zielgewebe erreicht. Die beiden Substanzen unterscheiden sich z. B. hinsichtlich der Resorptionsfähigkeit. Die Wirkung des Vitamin D ist ebenfalls gut beforscht und belegt. Der Ausgleich eines Mangels oder die Einstellung eines Optimalwertes mit täglicher Dosierung des Vitamin D, der individuell gemessen werden muss, sollte die erforschte Wirkung erzeugen.
Sie verstehen also, warum ich mich jeweils nur informierend äussere und keine konkreten Wirkungsaussagen machen darf. Erstaunlicherweise ist das nur in Deutschland so, in anderen Ländern darf man sich viel freier äussern.

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