Das Leaky-gut-syndrom, Ursachen, Folgen, Diagnostik und therapeutische Ansätze

von | 10. Juli 2011 | Publikationen

Das Leaky gut-SyndromHierbei handelt es sich um eine vermehrte Durchlässigkeit der Darmwand für den Darminhalt, der dann die Blutbahn erreicht und hier zu einer immunologischen Abwehrreaktion (Antikörperbildung) führt. Hiermit hängen nicht nur Darmerkrankungen, sondern auch Autoimmunerkrankungen wie die Glutenunverträglichkeit bis hin zur Zöliakie oder einheimischen Sprue, Diabetes mellitus Typ 1, Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis, aber auch Allergien zusammen.Ein Leaky gut Syndrom tritt auf, wenn die intestinale Mikroflora zu schwach oder zerstört ist, bei körperlicher Belastung im oberen Grenzbereich, bei mangelnder Bildung des sIGA, des sekretorischen Immunglobulins A, welches in der Schleimhaut immunologisch aufpasst, und wenn die Epithelschicht des Darms beschädigt ist.
Der Verdauungstrakt vom Mund zum After ist fast wie ein Tunnel durch unseren Körper, der, wenn man die Oberfläche aller Ausstülpungen nebeneinander legen würde, die Fläche von ca. 400 qm hat. Zum Vergleich hat die Lunge 80 qm und die Haut 1,8 qm. Demnach ist der Verdauungstrakt die größte Kontaktfläche zur Aussenwelt und dort sind 60 – 80 Prozent unseres Immunsystem beheimatet. Täglich muten wir dem Darm schier Unmögliches zu. Das würde manch einer seinem Automotor nicht abverlangen wollen.
Durch diese Belastungen kann es
zu einer Beschädigung der Auskleidung der Darmwand,
durch die Konservierungsmittel oder einseitige Ernährung zu einer Veränderung der Darmflora
und dadurch zu verminderte Bildung von Schleimhaut Antikörpern, dem sIgA
kommen.
Dadurch können vermehrt entzündungsfördernde Polysaccharide der Fäulnisflora gebildet werden, die die Durchlässigkeit der Darmblutschranke aber auch der Bluthirnschranke erhöhen können.
Die kontrollierte Nährstoffaufnahme aus dem Darm in das Blut, die auf transcellulärem ( durch die Zelle) und paracellulärem Weg ( neben der Zelle im Zwischenzellraum) erfolgt, wird immer unkontrollierter, wie bei  Grenzschmugglern. Die Polizei des Innern, die Antiköper der IgG-Gruppe, die wir auch bei Impfungen erzeugen setzten sich im Blut mit diesen verbotenen Grenzgängern auseinander und dabei kommt es zu einer Entzündung. Man kann das Ausmaß der Entzündung, aber auch die IgG-Antikörper messen. Die presiwertesten und bewertesten Marker für ein Leaky-gut-syndrom sind das alpha-1-Antitrypsin, das sIgA und das Histamin im Stuhl.
Neu ist die Bestimmbarkeit des Zonulin im Stuhl und im Serum. Je höher dieser Wert ist, um so weniger dicht halten die Zell-zu-Zell-Verbindungen, die tight junctions, umso gößer ist also das leaky gut, die Durchlässigkeit des Darms. Die Kontrolle dieses Wertes ist bei der Begrenzung der Auslöser für Verschlechterungen bei Multipler Sklerose, Diabetes Typ 1 und rheumatischer Polyarthritis indiziert.
Eine andere neue Methode ist die Bestimmung der unresorbierbaren Stoffe Lactulose und Mannitol im Sammelurin. Es wird eine definierte Menge dieser Substanzen getrunken und theoretisch dürfte davon nichts im Urin ankommen. Wenn aber doch, kann man das Ausmaß der Leckage direkt an diesem Wert festmachen.
Die Therapie besteht in
einer nachhaltigen Darmflorasanierung,
dem Angebot der Reparaturbausteine für die Darmschleimhaut,
der Unterstützung der Abheilung durch z. B. Mönchsmilch, auch Colostrum genannt,
der Identifizierung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vom IgG-Typ und deren Karenz, also Ernährungsumstellung. Diese Nahrungsmittel können später in einem Rotationsrhythmus wieder gegessen werden.
Dazu können auch erhöhte bakterielle Spaltungsaktivitäten für Fruktose und Sorbit gehören, die dann zu meiden sind.
Die Milchzuckerunverträglichkeit sollte berücksichtigt werden.
Mitunter muss auch nach Parasiten und Magenkeimen geschaut werden.
Eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse für die in den Darm zu sezernierenden Verdauungsenzyme muss ausgeschlossen werden.
Direkte Antikörper gegen Gluten und Gliadin dürfen nicht übersehen werden.

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