Blei ist für 20% aller Todesfälle verantwortlich – Schwermetallbelastung – versus Vergiftung bekommt ein ganz neues Gewicht. Verantwortliche Chelattherapien werden wissenschaftlich untermauert.

von | 15. April 2018 | Publikationen

Eine neue Studie aus den USA beschreibt, dass jeder 5. Todesfall durch geringfügige Bleimengen verursacht ist. Das sind zehnmal mehr, als bisher gedacht. In der Studie, die Prof. Dr. Bruce P. Lanphear und seine Kollegen der Universität Vancouver in Kanada publiziert haben, wurden 14.289 US-Amerikaner in den Jahren 1988-1994 für die Studie rekrutiert und bis 2011 nachbeobachtet. Zu Beginn variierten die Bleispiegel im Blut zwischen 1 und 56 ?g/dl, mit einem Mittelwert von 2,71 ?g/dl. 20 Prozent der Teilnehmer hatten Konzentrationen über 5 ?g/dl, nur bei 9% lagen sie unterhalb der Nachweisgrenze.
In Deutschland hat das Bundesumweltamt  über einen nahezu gleichen Zeitraum ebenfalls die Bleiwerte erhoben. Frauen haben demnach 7 µg/dl, Männer 9 µg/dl, wenn man die Altersgruppe von 18 bis 69 Jahre abbildet und Kinder lagen im Alter von 3-14 Jahren bei 3,5 µg/dl im Beobachtungszeitraum 2003-6. Aktuelle Ergebnisse liegen leider nicht vor. Da weniger Blei in den bleifreien Kraftstoffen ist, geht man davon aus, dass es sich vermindert hat und dass der Referenzwert nun bei <5µg/dl liegt. Bleifreies Benzin darf gemäß der Norm EN228 noch 5 mg/l Blei enthalten.
Ich messe bei den Vollblutmineralanalysen seit geraumer Zeit jedesmal den Gehalt an Blei und Cadmium in µg/l mit. In meinem Klientel sind die Werte in etwa 10 % der Fälle über dem angegebenen Normwert von 28 µg/l für Blei und 0,6 µg/l für Cadmium. Nachgewiesen wird es bei allen, aber die Ergebnisse lassen es zu, das Klientel in drei Belastungsgrupen einteilen zu können.

Der mittlere Studienzeitraum der US-Studie beträgt 19,3 Jahre. In der Gausschen Verteilungskurve lag der Bleiwert der 90er-Perzentile bei 6,7 µg/dl und der Wert der 10er-Perzentile bei unter 1 µg/dl. Vergleicht man nun die 90er- mit der 10-Perzentile, dann ist das Risiko in der 90er-Perzentile für das allgemeine Sterberisiko um 40 % und für die Sterberate im Rahmen einer Herz-Kreislauf- Erkrankung um 70% erhöht. Erstaunlich war, dass diese Prozentzahlen sich in etwa auch dann ergeben, wenn man den Grenzwert bei 5 µg/dl annimmt, was ja dem deutschen, angeblich ungefährlichem, Referenzwert entspricht.

Bisher dachte man, dass die hohe Belastung, also die Toxizität, das Maß aller Dinge sei. Nun muss man erkennen, dass die wichtigen weichenstellenden Einflüsse gerade bei niedrigen Giftexpositionen auftreten. Es gibt dort also wohl einen signifikanten Anstieg, der ab einer bestimmten Giftmenge in eine asymptotische Kurve übergeht und kaum noch ansteigt, bis es dann eine akute Vergiftung gibt.

Es zeigt sich, dass die Risikoabschöpfung bei den unter 50-jährigen am größten ist, was sicherlich an genetischen Entgiftungsmöglichkeiten liegt. Die Überlebenden sind dann die Positivauslese guter Kombinationen der Leberentgiftung der Phase 1-3.

Beachtet man diese Einflüsse bei der Chelattherapie, in der TACT-Studie haben ja die Diabetiker mit der Multivitaminergänzung und 50 NaEDTA-Chelierugen den größen Effekt erfahren, es mussten nur 6 Patienten behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern, dann kann man mit einer lebensbegleitenden Schwermetallausleitung einen erheblichen Einfluss auf diese Stellgrößen nehmen.

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