Kapillarmikroskopie

Die Mikrozirkulation

Die Mikrozirkulation umfasst die kleinsten Blutgefäße des Körpers, wie Kapillaren, Arteriolen und Venolen, die für den Austausch von Nährstoffen, Sauerstoff und Stoffwechselabfällen zwischen Blut und Gewebe verantwortlich sind. Kapillaren, mit ihren dünnen Endothelzellschichten, ermöglichen den direkten Austausch von Substanzen zwischen Blut und umgebenden Zellen. Arteriolen und Venolen regulieren den Blutfluss in und aus den Kapillaren, was für die Steuerung der Gewebeversorgung und die Entsorgung von Stoffwechselprodukten entscheidend ist.

Störungen in der Mikrozirkulation können zu Gewebeunterversorgung und verschiedenen Krankheiten wie Diabetes, Hypertonie und Gefäßerkrankungen führen. Diagnostische Verfahren wie die Kapillarmikroskopie helfen dabei, solche Störungen frühzeitig zu erkennen. Eine gesunde Mikrozirkulation ist somit entscheidend für das Wohlbefinden und die Funktion des gesamten Organismus.

Abbildung einer normalen Mikrodurchblutung.

Abbildung einer gestörten Mikrodurchblutung.

Mikrodurchblutungsstörungen

Die bekanntesten Gründe der Einschränkung der Mikrodurchblutung sind:

  • Zuckerspiegel und AGEs aus dem Diabetes mellitus oder der Fehlernährung
  • Zu wenig essentielle Fettsäuren oder ein Missverhältnis von ALA, EPA, DHA zu LA, yLA, dhyLA und AA
  • Zu hoher oxidativer Stress
  • Zu wenig Arginin für die NO-Synthasen
  • Mangel an Kalium oder Magnesium
  • Zu hoher Gewebedruck bei Ödemen, Kompartmentsyndrom
  • Autoimmune Prozesse wie Kollagenosen wie SLE, Sjögren-Syndrom, Polymyositis, Dermatomyositis, Sklerodermie und Arteriitis, agAAK gegen die GCPR.
  • Übersensibilitäten bei Unterzuckerung, niedrigem Blutdruck, vasovegetativer Regulationsstörung
  • Neuropathie, Raynaud-Syndrom.

Welche Gefahren bergen Mikrozirkulationstörungen?

  1. Gewebeschädigung und Organdysfunktion: Durch unzureichende Blutversorgung können Gewebe und Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, was zu Zellschäden und Funktionsstörungen führen kann.
  2. Langsame Wundheilung: Eine gestörte Mikrozirkulation kann die Heilung von Wunden und Verletzungen verzögern, da die Zellen nicht die erforderlichen Ressourcen erhalten, um den Reparaturprozess effektiv durchzuführen.
  3. Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Mikrozirkulationsstörungen können ein frühes Anzeichen für eine allgemeine Gefäßgesundheit sein und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit erhöhen.
  4. Gefahr von Komplikationen bei Diabetes: Personen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Mikrozirkulationsstörungen, die zu diabetischer Neuropathie, diabetischem Fußsyndrom und anderen diabetischen Komplikationen führen können.
  5. Neurologische Probleme: In einigen Fällen können Mikrozirkulationsstörungen zu neurologischen Symptomen führen, wie z. B. Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Extremitäten, die die Lebensqualität beeinträchtigen können.
  6. Chronische Entzündungen: Störungen in der Mikrozirkulation können zu chronischen Entzündungen in betroffenen Geweben führen, was weitere gesundheitliche Probleme verursachen kann.

Was ist die Kapillarmikroskopie?

Die Kapillarmikroskopie, auch bekannt als intravitalmikroskopische Untersuchung oder Nagelbettkapillarmikroskopie, ist eine nicht-invasive bildgebende Technik, die es ermöglicht, die Mikrozirkulation in den kleinen Blutgefäßen, insbesondere in den Kapillaren, sichtbar zu machen. Diese Untersuchung wird typischerweise an den Fingerspitzen oder Zehenspitzen durchgeführt, wo die Kapillaren direkt unter der Haut liegen und leicht zugänglich sind. Eine spezielle Mikroskopkamera wird verwendet, um hochauflösende Bilder der Kapillaren zu erfassen. Die gewonnenen Bilder ermöglichen die Beurteilung verschiedener Parameter wie Kapillardichte, Kapillardurchmesser, Blutflussgeschwindigkeit und morphologische Veränderungen der Kapillaren.

Diese Studie betont die Bedeutung einer Kapillarmikroskopie bei Patienten mit einem Raynaud-Phänomen. Diese Untersuchung ermöglicht es frühzeitig im Verlauf einer systemischen Sklerose (SSc), typische Kapillarmuster zu erkennen. Die kapillarmikroskopischen Bilder bieten wertvolle Einsichten in die Krankheitsaktivität und potenziell auch in die Prognose der SSc. Es wird empfohlen, unspezifische Veränderungen regelmäßig zu überprüfen. Bei Patienten mit Raynaud-Phänomen und normaler Kapillarmorphologie sowie -dichte sowie negativen antinukleären Antikörpern ist das Vorliegen einer Kollagenose nahezu ausgeschlossen. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9022415/)

Die Kapillarmikroskopie ist somit eine entscheidende Untersuchungsmethode zur Früherkennung und Verlaufskontrolle von Mikrozirkulationsstörungen, insbesondere im Rahmen von Autoimmunerkrankungen wie der systemischen Sklerose.

Aufnahmen der Kapillarmikroskopie, aufgenommen am kleinen Finger einer Patientin.

In jüngsten Versuchen konnte vorläufig nachgewiesen werden, dass die Mikrozirkulation sowohl durch eine Herzfrequenzvariabilitäts-Analyse (HRV-Analyse) als auch durch die intravenöse Sauerstofftherapie nach Regelsberger verbessert werden könnte. Diese Anzeichen wurde mittels Kapillarmikroskopie untersucht und dokumentiert.

Die HRV-Analyse wurde verwendet, um den Zustand des autonomen Nervensystems der Probanden zu beurteilen. Eine hohe Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein Indikator für eine gesunde Anpassungsfähigkeit des Körpers an verschiedene Stressoren. Die Analyse diente dazu, den Ausgangszustand der Mikrozirkulation zu bestimmen und Veränderungen im Verlauf der Untersuchung zu dokumentieren.

In einem separaten Versuchsansatz wurde die intravenöse Sauerstofftherapie angewendet. Dabei wurden dem Körper über die Vene langsam und exakt dosiert, geringe Mengen medizinischen Sauerstoffs verabreicht. Die feinen Sauerstoffbläschen bewirkten so einen unphysiologischen Reiz auf die Lunge. Dieser Reiz veranlasste den Körper zur Bildung von körpereigenen gefäßerweiternden und entzündungshemmenden Botenstoffen.

Die Effekte beider Therapien wurden mittels Kapillarmikroskopie visualisiert. Hierbei wurden vor Beginn der jeweiligen Therapie sowie während oder nach Abschluss der Behandlungen Aufnahmen der Kapillaren gemacht. Diese Aufnahmen ermöglichten eine detaillierte Beobachtung der Mikrozirkulation in den feinen Blutgefäßen.

Vor den jeweiligen Therapien zeigten die Kapillarmikroskopie-Aufnahmen oft eine gestörte Mikrozirkulation in den Kapillaren. Nach den Therapien hingegen waren ansatzweise Verbesserungen sichtbar. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl die HRV-Analyse als auch die intravenöse Sauerstofftherapie effektive Methoden zur Verbesserung der Mikrozirkulation darstellen könnten.

Für noch mehr Informationen schauen Sie sich das aktuelle Video zur Kapillarmikroskopie an.

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