Antidepressiva – die Verordnungszahlen steigen und die Wirkung?

von | 20. Mai 2017 | Publikationen

Prof. Dr. Henrik Walter, Direktor der Forschungsabteilung Mind and Brain der Universitätsklinik Charité in Berlin hat auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde referiert und wird in der Medical Tribune, 52. Jahrgang, Nr. 4, 27.01.2017 auf S. 6 mit einem Beitrag gewürdigt. Demnach ist die Empfehlung der Leitlinien bei depressiven oder rückfallgefährdeten Patienten eine antidepressive Langzeittherapie durchzuführen eher schädlich als nützlich. Dabei benennt er folgende Beobachtungen, die Anlass zu kritischen Fragen sein sollten: "Stimmungssteigernde Substanzen können selbst die Ursache für Depressionen sein (Ecstasy oder Methylphenidat), angstlösende Medikamente können selbst Ängste auslösen, Nebenwirkungen oder Wirkverlust der Substanzen oder Erzeugung des Rezidivrisikos durch die Substanze selbst, allenfalls mäßig ausgeprägte Wirkung der Antidepressiva generell und quasi nicht vorhandene Wirkung der Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen, lediglich Fluoxetin liegt minimal über dem Placeboniveau. Die STAR-D-Studie untersuchte die Wirkungen der Antidepressiva. Im Studienverlauf stieg die Abbruchrate auf 60%, während die Remissionsrate in der Verumgruppe am Studienende nur noch 10% betrug. 90% hatten also das Spektrum der Nebenwirkung, aber keine Wirkung."

Problematisch ist, dass die Einnahme der Mittel die Rezeptoren für die Signalkaskaden im Gehirn hochregelt und die Induktion neuer Signalkaskaden somit auch ein neues Gleichgewicht einstellen, sodass das Rezidivrisiko beim Absetzen genauso steigt, wie der Artikel "Gewichtsreduktion, warum dauert es so lange?" es im Hypothalamus hinsichtlich des neuen Normwertes für das Körpergewicht bereits belegt. Studien zeigen, dass diese Dysbalance auch bei den Substanzen am stärksten ist, die am stärksten wirken. So kann man sich auch das Thema der Nikotinsucht erklären.
Demnach ist es also schon fast sträflich, jemandem diese Substanzen zu geben! Da es nun aber eine große Gruppe von Usern gibt, darf man diese auch nur ausschleichend entwöhnen. Prof. Dr. Walter sucht im Moment Probanden für eine Absetzstudie!
1995 wurden 300.000.000.Tagesdosen/Jahr verordnet, 2015 waren es bereits 1400.000.000 Tagesdosen.
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Ich untersuche meine Patienten immer dahingehend, ob denn die Botenstoffe überhaupt gebildet werden. Dopamin-Noradrenalin-Adrenalin, Glutamat, GABA, Serotonin-Melatonin, Cortisol, Geschlechtshormone, sind die Botenstoffe, dann schaue ich ob die notwendigen Ausgangssubstanzen, also die Elektrolyte, die Vitamine, die Aminosäuren, die essentiellen Fettsäuren, die Methylgruppendonatoren vorhanden sind und dann gleiche ich die, als Therapieerfolgshindernis gefundenen, Mängel aus und kontrolliere, ob die Neurotransmitterwerte sich verbessern und wie es den Patienten damit geht. Dazu gehört dann eine psychotherapeutische Unterstützung, die ich aber den Fachleuten überlasse.
Ich bin mit den Ergebnissen nicht unzufrieden, allerdings müssen diese Ergänzungen von den Patienten selbst bezahlt werden, denn es gelten ja die oben erwähnten Leitlinien.

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