Gesundheitsnewsletter vom 18.6.2017

von | 18. Juni 2017

Gesundheitsnewsletter vom 18.06.2017


Heute geht es um die Möglichkeiten der studienbelegten Primärprävention und der Verdeutlichung der Chancen einer personalisierten Individualmedizin, dieses Mal eher labor- und aktivitätsgestützt.


Die Themen:

  • Selen – warum bestimme ich es regelmäßig?

  • Herzschwäche und die Bedeutung von Eisen und Vitamin D

  • Unterstützende Darmkrebstherapie über die Riechrezeptoren der Darmschleimhaut?

  • Welche Sportarten reduzieren die Herzkreislaufsterblichkeit am stärksten?

  • Wiederholt erhöhte Phosphatwerte im Blut und die Ernährung weist keinen erhöhten Phosphatkonsum auf?


Selen – warum bestimme ich es regelmäßig?

Die tägliche Zufuhr an Selen sollte zwischen 30-70 µg oder 0,5 µg/kgKG beim Erwachsenen liegen. Sobald Selen durch Komplexbildung mit Schwermetallen in der Nahrung gebunden wird, ist es nicht mehr verwertbar. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich es so oft im Mangel liegend messe. Wird allerdings organisches Selen eingenommen, sehe ich schon bei geringen Mengen eine Überdosierung. Auch an Aminosäuren gebundenes Selen soll nicht gut nutzbar sein, da es aufgrund seiner Bindung an die Aminosäure nicht mehr in die Selenoproteine eingebaut wird. Eine Überversorgung führt zu Knoblauchgeruch, Haarausfall Störungen der Nagelbildung, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall sowie neurologischen Schäden. Ein echter Mangel, also nicht an der Grenze zwischen ausreichend und mangelhaft, vermindert die Immunkompetenz, bewirkt eine zertörende Knochen-Gelenkerkrankung mit Zwergwuchs, den sog. M. Keschin-Beck, der auch oft mit einem Jodmangel assoziiert ist. Die Keshan-Krankheit selbst gilt als eine Erkrankung des Herzens, einer Kardiomyopathie.
Jodmangel betrifft den ganzen Körper,
denn Selen ist zentraler Bestandteil der Glutathionperoxidasen und die kommen in alle Zellen vor. Sie sind an der Kontrolle des oxidativen Stresses und somit der biologischen Voralterung beteiligt.
Die Phospholipid-Glutathion-Peroxidase ist essentiell für die männliche Fruchtbarkeit durch Spermienqualität.
Die Thioredoxinreduktase ist für die Schilddrüsenhormone zuständig.
Ein Mangel ist mit dem erhöhten Auftreten von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, rheumatischen Erkrankungen und M. Crohn assoziiert. Daher sollten Eltern schon frühzeitig auf eine Versorgung achten.
M. Hashimoto ist gar nicht so selten in Deutschland. Immerhin 10% der Gesamtbevölkerung hat Antikörper gegen TPO, zu 3/4 sind es Frauen.
Ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat rheumatische Beschwerden und ca. 420.000 Einwohner Deutschlands haben mit zunehmender Tendenz einen M. Crohn.
Leider läßt sich die Erkrankung durch eine Gabe bei der Manifestation nicht einfach heilen. Hier muss das Augenmerk auf der Primärprävention liegen!
Unter Selenmangel werden vermehrt Prostaglandine gebildet, die die Gerinnungsaktivität bzw. Thrombozytenaggregationsfreudigkeit steigern, wie z.B. das Thromboxan. Somit steht ein Selenmangel mit Einschränkung der Mikrodurchblutung und Arteriosklerose und Nervenschäden, aber auch mit erhöhtem oxidiertem LDL in Verbindung. Arteriosklerosebedingte Todesfälle führen in Durschland die Hitliste an.
Ein Selenmangel steht in Verbindung mit einem erhöhten Tumoraufkommen für Prostata-, Dickdarm– und Brustkrebs.
Zusammen mit Zink kontolliert Selen die Reaktion des Immunsystems auf Allergene.
Da Selen mit an der Kontrolle des oxidativen Stresses beteiligt ist, das verlinkte Schaubild zeigt auch die anderen Mitspieler an, erklärt sich zum einen die Bedeutung des Selen für die Haut- und Darmbarriere, aber auch die Notwendigkeit umfangreicher Laboruntersuchungen, wenn man eine personalisierte Individualmedizin in Anspruch nehmen möchte. Dazu hier noch ein Link der Apothekerzeitung mit einem Artikel von Herrn Gröber. Ich bin dabei gerne Ihr Partner.


Herzschwäche und die Bedeutung von Eisen und Vitamin D

Bereits von 1981 – 1983 wurden 10.170 Personen auf ihren 25-OH-D3-Spiegel untersucht und dann 29 Jahre nachbeobachtet. Die in der niedrigsten Vitamin-D-Spiegelgruppe von 7,5-12 nmol/l war das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen gegenüber der Gruppe mit dem damals höchsten Spiegel zwischen 41-71 nmol/l, was heute beides als zu niedrig gilt, um 40 % erhöht. Das Risiko für einen Herzinfarkt war sogar um 64% erhöht. 1.625 Personen erlitten einen Herzinfarkt und 6.747 Teilnehmer verstarben innerhalb der 29 Jahre. Eine dänische Metaanalyse von 17 weiteren Studien aus dem Jahr 2012 faßt diese Unterschiede in einem um 39% erhöhten Herzinfarktrisiko und in einem um 46% erhöhten Risiko für frühzeitigen Tod zusammen. Dr. Ben Schöttker vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg untersuchte 5000 Probanden über 5 Jahre hinsichtlich des Vitamin-D-Spiegels. Die Gruppe mit einem 25-OH-D3-Spiegel unter 30 nmol/l hatte gegenüber der mit 50 nmol/l ein 1,57-fach erhöhtes Sterblichkeitsrisiko, also 157%. Lag eine Atemwegserkrankung, also Asthma, COPD, Fibrose etc. vor, dann war das Sterblichkeitsrisko um das 2,5-fache, also 250%  erhöht. Das Todesrisiko bei Herz-Kreislauferkrankung und Krebs erhöhte sich in dieser Gruppe um 40%.
 Bei der Herzschwäche konnte Vitamin D die Auswurffraktion des Herzens der über 70-Jährigen von im Mittel 26% innerhalb eines Jahres auf 35 % anheben. Dazu mussten Sie täglich 4000 I.E 25-OH-D3 zu sich nehmen. Dieses hätte man durch Laborkontrolllen und individuelle Dosisanpassung sicherlich noch optimieren können.
Letzten Mittwoch referierte ich in der Expertenrunde über die intravenöse Gabe von Eisencarboxymaltose bei Herzschwäche der Stärke NYHA II bzw. III. In der vorgetragenen Studie konnte in den Fällen ohne Kontraindikation schon binnen 6 Wochen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und im Kontrolltermin von 24 Wochen nach Eisengabe eine Verlängerung der 6-Minuten-Gehstrecke der Verumgruppe gegenüber der Placebogruppe um 33 M +/- 11 Meter erreicht werden. Ob man nun in 6 Minuten 33 Meter mehr oder weniger geht, ist vielleicht nicht so wichtig, ob man aber mit Pause aus eigener Kraft in die erste oder zweite Etage kommt und nicht umziehen muss, ist Gold wert. Ich unterstütze Sie auch in Fragen der Herzschwäche gern.


Unterstützende Darmkrebstherapie über die Riechrezeptoren der Darmschleimhaut?

In diese Richtung gibt es schon gute Forschungsergebnisse. Troenan, ein Duftstoff aus dem Liguster, hemmt das Tumorwachstum und erhöht die Sterblichkeit der Krebszellen. Mal sehen, wann es dazu ein Medikament geben wird.


Welche Sportarten reduzieren die Herzkreislaufsterblichkeit am stärksten?

Es sind nicht das Joggen oder das Fußballspiel, sondern Badminton, Tennis und Squash führen hier die Hitliste an. So erreichen diese Sportarten eine Senkung der kardiovaskulären Mortalität um 56%, Aerobic um 36%, Schwimmen um 28% Gymnastik und Tanz um 27% sowie Radfahren um 15%. Die Schwäche dieser Studie liegt darin, dass nur ein Erinnerungsfenster von 4 Wochen abgefragt wurde. Somit wird die langfristige Regelmäßigkeit der sportlichen Aktivität nicht erfaßt. Mir gefällt die Studie aber, da ich ja nur einmal/Woche Tennis spiele, einmal gymnastischen Kraftsport betreibe und ggf. noch einmal jogge.


Wiederholt erhöhte Phosphatwerte im Blut und die Ernährung weist keinen erhöhten Phosphatkonsum auf?

Vermutlich gibt es demnächst aus der Phase-III-Studie NOPHOS die Erkenntnis, dasss Nicotinamid, also Vitamin B3, ein effektiver Phosphatsenker bei Dialysepatienten ist. Da kommt mir doch bei der Fragestellung; "Wiederholt erhöhte Phosphatwerte im Blut und die Ernährung weist keinen erhöhten Phosphatkonsum auf?" der Gedanke einmal nach Vitamin B3 zu schauen oder diese zu ergänzen und den Phosphatspiegel zu kontrollieren.

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